Rückblick: Literatürk 2007

Literatürk 2007: LiteraTürk - 3tes türkisch-deutsches Literaturfestival in Essen

Seit dem ersten Festival 2005 verfolgt LiteraTürk das Ziel dem Defizit in Bezug auf adäquate kulturelle Angebote, für Migranten und Migrantinnen in Essen und darüber hinaus entgegen zu wirken. Dabei hat es sich LiteraTürk zur Aufgabe gemacht durch ein anspruchsvolles und zugleich unterhaltendes Programm kulturelle Minderheiten und Mehrheiten der Stadt bzw. der Region durch das Medium Literatur an den unterschiedlichsten Orten der Stadt zusammenzubringen.

Diesem Anspruch ist LiteraTürk durch qualitative Angebote auch im 3. Jahr des Festivals gerecht geworden. Seit dem ersten Festival in 2005 wächst „LiteraTürk“ und die positive Resonanz aus der Bevölkerung. Dieses zeigt sich nicht nur an der steigenden Besucherzahl, sondern auch an den vermehrten Anfragen von interessierten Kooperationspartnern und dem verstärkten Interesse der Medien.

Im 3. Jahr des Festivals lässt sich eine deutliche Steigerung feststellen. Mit insgesamt 20 Veranstaltungen und18 Autorenlesungen hat sich LiteraTürk in Vergleich zum Vorjahr erweitert. Die Lesungen fanden auch 2007 im gesamten Essener Gebiet und schwerpunktmäßig im Essener Norden, in Altenessen statt. Dabei hat sich gezeigt, dass es weiteren Bedarf an kulturellen Veranstaltungen im Essener Norden gibt, da die Besucherzahlen im Vergleich zu den Vorjahren zwar deutlich zugenommen haben, aber immer noch unter den Erwartungen lagen.

Eröffnet wurde das Festival durch den Bürgermeister Rolf Fliß und den türkischen Generalkonsul Dr. Hakan Akbulut. Beide betonten den hohen Stellenwert und das Potential solcher Veranstaltungen, begrüßten die interkulturelle Kulturarbeit und zeigten sich interessiert an einer gemeinsamen Zusammenarbeit.
.
Vor der literarischen Eröffnung fand in Kooperation mit der „Föderation der demokratischen Arbeitervereine“ DIDF die Vorpremiere des preisgekrönten Films „Takva“, im Astra Kino vor über 200 Zuschauern statt. An der literarischen Eröffnung durch die Berliner Autorin Emine Sevgi Özdamar nahmen ca. 120 Besucher teil.

Höhepunkte aus dem Programm 2007 waren neben Emine Sevgi Özdamar, Selim Özdogan, Yüksel Pazarkaya, Yücel Feyzioglu, Esmahan Aykol, Zafer Senocak, Jürgen Ebertowski, Birand Bingül, Sibel Aygen Celik und weiteren interessanten Autoren aus Deutschland, die Veranstaltungen von Ayse Kulin, Ayla Kutlu und Hasan Ali Toptas aus der Türkei. Sie sind in der Türkei sehr beliebte und gefragte Autoren, die in Essen jeweils ca. 80-90 Besucher angesprochen haben.

Ergänzt wurden die Lesungen für Erwachsene durch einen erfolgreichen Poetry Slam mit zwei türkischen und zwei deutschen Autoren vor ca. 150 Besuchern und Lesungen und Workshops für Kinder und Jugendliche in Schulen. Das gutbesuchte Programm für Jugendliche bot die Möglichkeit, den Autor, Reporter und Redakteur im WDR Fernsehen ("Cosmo TV") Birand Bingül und seine Biographien aus dem Band "Was lebst Du?", kennen zu lernen und Fragen der Identität, Zugehörigkeit und Integration zu diskutieren.

Für Grundschulkinder lud LiteraTürk Yücel Feyzioğlu, einen ausgebildeten Pädagogen und Lehrer, der mehrere Literaturpreise gewann, ein. Er las Märchen in zwei Sprachen vor und bezog die Kinder theatralisch mit ein, indem er Figuren und Motive der türkischen Märchentradition in die Gegenwart transponiert und so auf eindringliche Weise insbesondere auch die Problemfelder Migration und Integration für ein junges Lesepublikum thematisierte.

In Kooperation mit dem Textzentrum im Girardethaus wurde zu dem Thema „Mit der Tastatur die Welt ertasten - Die Suche nach der spitzen Feder“ für Schüler im Alter zwischen 13 und 16 Jahren ein Schreibworkshop im Internet angeboten. Die TeilnehmerInnen hatten die Wahl zwischen unterschiedlichen Themenanregungen und Textgattungen. Sie konnten sich in erzählender Prosa erproben, an Briefen, Tagebüchern, an szenischem Schreiben und an der Lyrik.

Als Erfolg kann gewertet werden, dass alle Lesungen, ob mit Autoren aus der Türkei oder aus Deutschland sowohl von Türken als auch von Deutschen gleichermaßen besucht wurden.

Im Folgenden sollen einige Autoren und ihre Werke näher vorgestellt werden:

Emine Sevgi Özdamar
Die Schauspielerin und Schriftstellerin wurde 1946 in Malatya/Türkei geboren und kam zum ersten Mal 1965 als 19-Jährige nach Deutschland. In Berlin machte sie lange Jahre Brecht-Theater an der Volksbühne mit darauf folgenden Engagements am Schauspielhaus Bochum und Frankfurt. Seit 1982 schreibt Özdamar neben ihren Schauspiel-Engagements Romane, Gedichte und Erzählungen, die von ihren Erfahrungen in Deutschland handeln. Für ihre Werke erhielt sie viele Auszeichnungen: u. a. den Ingeborg-Bachmann-Preis (1991), den Adelbert-von-Chamisso-Preis 1999 und den Künstlerinnenpreis des Landes NRW (2001). Zudem erhielt sie 1995 die New-York Scholarship des Literaturfonds Darmstadt. 2003 wurde sie Stadtschreiberin von Bergen-Enkheim und ist Trägerin des Kleist-Preises 2004.
Zu LiteraTürk kam Emine Sevgi Özdamar mit "Sonne auf halbem Weg, einer Istanbul-Berlin-Trilogie" Der letzte Band der Trilogie "Seltsame Sterne starren zur Erde" erschien erstmals vor drei Jahren und erzählt die Geschichte einer jungen türkischen Frau, die in den 70er-Jahren von West- nach Ostberlin zieht, um bei Benno Besson an der Volksbühne als Schauspielerin und Regieassistentin zu arbeiten – ebenso wie Emine Sevgi Özdamar!

Ayşe Kulin
wurde 1941 in Istanbul geboren. Sie besuchte das amerikanische Frauen-College in Istanbul-Arnavutköy und arbeitete in verschiedenen Zeitungen und Zeitschriften. Ayşe Kulin veröffentlichte bisher fünfzehn Bücher, mit denen sie hohe Verkaufszahlen in der Türkei erzielte. Sie erhielt zahlreiche Preise und Auszeichnungen. Für ihren autobiographischen Roman "Adı Aylin" (Ihr Name ist Aylin) wurde sie 1997 von der Literarischen Fakultät Istanbul zur Autorin des Jahres gewählt. Zuletzt ist "Bir Gün" (Ein Tag) erschienen, in der sie die Kurdenproblematik anhand einer Frauenfreundschaft thematisiert. Ayse Kulin präsentierte bei LiteraTürk ihre ins Deutsche übersetzte Kurzgeschichte aus dem Band "Steinmauer und offene Fenster - Erzählungen deutscher und türkischer Autorinnen". Diese Begegnungen von Frauen auf literarischer Ebene öffnen eine Tür, eine neue Perspektive und lenken den Blick auf eine Welt, in der Frauen leben und schreiben, ihr Glück oder ihr Unglück erleben, dies zum Ausdruck bringen und nach eigenen Lösungen suchen.

Hasan Ali Toptaş,
geboren 1958 in Buldan, einer Industriestadt im Südwesten der Türkei, arbeitete ab 1981 als Gerichtsvollzieher und später als Beamter in verschiedenen Finanzämtern. Toptaş gilt als urwüchsiges Erzähltalent. Er besitzt eine magische Beziehung zur türkischen Sprache, der er in seiner klaren Prosa poetische Qualitäten abzugewinnen vermag. Bisher hat er in der Türkei drei Sammelbände mit Kurzgeschichten und vier Romane veröffentlicht und wird in den türkischen Feuilletons als der "türkische" Kafka beschrieben. Sein Roman "Bin Hüzünlü Haz" (Eine mit Traurigkeit getränkte Genugtuung) erhielt 1999 den Cevdet-Kudret-Literaturpreis. 2006 wurde Hasan Ali Toptaş mit dem Orhan-Kemal-Preis, dem angesehensten Literaturpreis der Türkei, ausgezeichnet. Er lebt und arbeitet in Ankara.

Im Rahmen von LiteraTürk las Hasan Ali Toptaş aus "Die Schattenlosen", einem Roman mit einer magischen Sogkraft, der oszilliert zwischen Vergangenheit und Gegenwart, zwischen Traum und Wirklichkeit. Mit seiner Sprachgewalt ist er die Überraschung der türkischen Literatur in den letzten Jahren.

Thomas Findeiß
wurde 1958 in Naila (Oberfranken) geboren. Von 1980-1984 studierte er Jura an der Freien Universität Berlin sowie 1985-1993 an der Deutschen Film- und Fernsehakademie. Er bereiste Nordafrika, den vorderen Orient und die USA.. Thomas Findeiß wird als knallharter Erzähler bezeichnet, der ohne zuviel Sympathie für seine Helden aufkommen zu lassen, spannende Welten entwirft (Anne Hahn). Er schrieb mehrere Drehbücher und veröffentlichte unter anderem Artikel in den Zeitungen FAZ, Die Tageszeitung und Die Zeit. Findeiß arbeitete als Studio- und Filmmusiker, Schauspieler und Synchronsprecher und führte Regie.
Im Rahmen von LiteraTürk liest Thomas Findeiß aus seinem Roman „Die Heimat der Schneestürme“. Der Roman erzählt die Geschichte einer Türkeireise der Freunde Carl und Ruben, die in Istanbul ein tragisches Ende nimmt und für Ruben 12 Jahre Gefängnis bedeutet. Der Alltag im Gefängnis zwischen Gewalt, Einsamkeit und Folter erscheint Ruben mit der Zeit als „eine logische Fortsetzung des Zustandes innerer Verlassenheit, in der ich mich schon lange befunden hatte, ohne sonderlich darunter zu leiden.“

Zafer Şenocak,
geb. 1961 in Ankara, studierte in München Germanistik, Politologie und Philosophie. Seit 1979 veröffentlicht er Gedichte, Prosa und Essays in deutscher Sprache. Şenocak erhielt diverse Literaturstipendien, ist Mitbegründer der mehrsprachigen Literaturzeitschrift "Sirene" und schreibt regelmäßig für die "Tageszeitung" und andere Zeitungen Artikel und Kommentare. Seine Texte sind teilweise auf englisch, französisch und italienisch übersetzt und seine Gedichte in elf verschiedene Sprachen. In den viel diskutierten Essaybänden "Atlas des tropischen Deutschland" (1992) und "War Hitler Araber?" (1994) analysiert Şenocak die Beziehung zwischen deutscher Mehrheitsgesellschaft und türkischer Minderheit und kritisiert die politische und kulturelle Ausgrenzung der türkischstämmigen Bevölkerung durch die deutsche Politik. Zafer Şenocak lebt und arbeitet in Berlin.

Bei LiteraTürk hat Şenocak Gedichte und Essays vorgetragen. In seinen Gedichten gelingt es ihm, Schreibweisen der europäischen Moderne mit der Tradition der osmanischen Diwanliteratur zu vereinen, wie in dem 2006 erschienenen Band "Übergang" mit Gedichten aus den Jahren 1980-2005 deutlich wird. Sein jüngst erschienener Essayband "Das Land hinter den Buchstaben" setzt sich kritisch mit dem derzeit vorherrschenden verzerrten Bild des Islams auseinander. Er erinnert daran, dass das christliche Abendland eine ebenso in sich widersprüchliche Kultur wie das islamische Morgenland hervorgebracht habe.

Jürgen Ebertowski,
1949 in Berlin geboren, ist einer Vielzahl von Lesern durch seine zahlreichen Bücher bekannt, wie beispielsweise "Unter den Linden Nummer Eins" (1999), "Das Kreuz des Samurai" und "Aikido Speed" Er studierte Japanologie und lebte viele Jahre in Japan, wo er als Sprachlehrer für das Goethe-Institut in Tokio tätig war. Ebertowski, der mit zu den erfolgreichsten deutschsprachigen Krimiautoren zählt, versteht es ausgezeichnet, Spannung mit Witz und Ironie zu mischen und zugleich sachkundig das Bild, das Europäer und Asiaten voneinander haben, in seine Kriminalroman zu vermitteln. Ebertowskis in Deutschland und der Türkei spielende Krimiromane sind ins Türkische übersetzt und erfreuen sich in der Türkei großer Beliebtheit. Für LiteraTürk hatte Jürgen Ebertowski seine Kreuzberg-Istanbul Krimis im Gepäck. In denen ermittelt Eugen Meunier, Schriftsteller, Hugenotten-Nachkomme mit türkischen Freunden und Freude an türkischem Wein, am Bosporus, wo er in die farbenprächtige Stadt eintaucht und allerlei Überlegungen anstellt, um seine kniffligen Fälle zu lösen, in denen Meuniers literarischer Spür- und erotischer Feinsinn gefragt sind.

1. Türkisch-deutscher Poetry-Slam
Poetry Slams sind eine noch junge Präsentationsform für Poesie und Prosa. Für den im Jahr 2007 zum ersten Mal im Rahmen von Literatürk stattfindenden PoetrySlam wurden durch die zum Dichter Wettstreit antretenden Autoren und Autorinnen eigene Texte zum Thema 'Du bist was Du sprichst' vortragen. Welche Problem der Verständigung im alltäglichen Miteinander auftauchen können, aber auch die Frage, wie Verständigung gelingen kann, sollte aus der Perspektive zweier türkischer und zweier deutscher Autoren beleuchtet werden. In den vorgesehenen drei Runden haben die vier Teilnehmer und Teilnehmerinnen jeweils acht Minuten Zeit, um mit dem Inhalt und der Vortragsweise ihrer Texte sich von ihren Mitstreitern abzusetzen und die Gunst des Publikums zu erwerben.
Als Autoren waren eingeladen: Necip Tokoglu aus Aachen, Pauline Füg aus Eichstätt, Claas Neumann aus Essen und Özlem Haytabay aus Köln.

Zum Abschluss des Festivals LiteraTürk 2007 wurde im Rahmen einer Podiumsdiskussion, zu dem Thema „Literatur zwischen Kunst und Interkultur“, Rückblick gehalten und zusammen mit Experten und Expertinnen der Literatur- und Interkulturszene Fragen erörtert und Perspektiven für die kommende Zeit entwickelt. Teilnehmer dieser Veranstaltung waren:

- Zafer Şenocak, Autor und Schriftsteller aus Berlin
- Tayfun Demir, Stadtbibliothek Duisburg, Dialog e.V.
- Prof. Dr. Rita Rosen - Kulturbeauftragte der Fachhochschule Wiesbaden
- Martina Kofer, Literaturwissenschaftlerin aus Berlin, LiteraTürk-Team

Das Gespräch leitete die Literaturwissenschaftlerin und Kritikerin Karin Yeşilada

Über den Ablauf Literatürk wurde sowohl in regionalen als auch lokalen Tageszeitungen und Zeitschriften sowie in mehreren türkischen Zeitungen regelmäßig berichtet. LiteraTürk wurde ebenfalls im Hörfunk, im Internet, im türkischen und WDR Fernsehen angekündigt und vorgestellt.

Kooperationspartner 2007:
Kulturhauptstadt Ruhr 2010: Melez - Festival der Kulturen
Literaturca Verlag
Erich-Kästner-Gesamtschule Essen
Grundschule Ost
DIALOG e.V., Gesellschaft für deutsch - türkischen Dialog/Duisburg
Magus Buchhandlung Essen
MetropoLit - Literatur der Kulturen: Essener bzw. regionaler Projektverbund zur Förderung der interkulturellen Kulturarbeit im Bereich der Literatur
Verein türkischer Elternverband in Essen und Umgebung e.V, Altenessen-Nord
Textzentrum Giradethaus
Zeche Carl
DIDF
Buchhaus Altenessen

Unterstützer und Förderer:
Ministerpräsident des Landes NRW
Kunststiftung NRW
Literaturbüro Ruhr
Kulturbüro der Stadt Essen
Zentralbibliothek Essen
Restaurant Tablo
Sparkasse Essen
Türkische Bibliothek / Unionsverlag

Festivalprogramm 2007
Programm 2007
Programm_Literatürk2007_web.pdf
PDF-Dokument [2.1 MB]

Literatürk 2007: Die Autoren und Autorinnen

Selim Özdoğan
Der Kölner Autor Selim Özdoğan wurde 1971 geboren und ist zweisprachig aufgewachsen. Seit Mitte der Neunzigerjahre hat er zahlreiche Romane und Erzählbände veröffentlicht. Für den Film „Im Juli“ von Fatih Akın schrieb er das Drehbuch. Özdoğan erhielt für sein literarisches Schaffen unter anderem den Adalbert-von-Chamisso-Preis. Aktuell ist er mit seinem neuen Roman „Zwischen zwei Träumen“ auf Lesereise.

In Nestas Welt ist es möglich geworden, mithilfe von Augentropfen Träume zu konsumieren. In Traumbars hängt Nesta mit seinen Freunden ab und taucht mit ihnen in die Welt der fremden Träume ein. Dabei verliebt er sich in Tedeisha, die schon bald eine steile Karriere macht und ihre Träume erfolgreich vermarktet. Als Tedeisha eines Tages nicht mehr aufwacht, begibt sich Nesta auf die Suche nach dem Ursprung der Träume...

Aygen-Sibel Çelik

wurde 1969 in Istanbul/Türkei geboren und migrierte als Zweijährige mit ihren Eltern nach Frankfurt am Main. Wichtige Stationen ihrer Biografie sind ein sechsjähriger Aufenthalt in ihrer Geburtsstadt, das Studium der Kinder- und Jugendbuchforschung in Frankfurt sowie ein Redaktionsvolontariat und diverse Praktika im pädagogischen und journalistischen Bereich. Sie war mehrere Jahre als Redakteurin einer Fachzeitschrift tätig. Als freie Autorin verfasste sie zahlreiche Artikel und Rezensionen über die Darstellung des Fremden in der Kinder- und Jugendliteratur. Aygen-Sibel Çelik schreibt Kinder- und Jugendbücher und gibt Kindern Kurse in Kreativem Schreiben. 2007 erschienen das Kinderbuch "Sinan und Felix" und "Seidenhaar", ein Buch für Jugendliche über die fesselnde Geschichte um die beiden jungen Türkinnen Sinem und Canan, die sich über die Glaubensgrundsätze des Islam uneinig sind. Die Autorin lebt und arbeitet in Neu-Isenburg.

Bei Literatürk wird Aygen-Sibel Çelik für Kinder in einer Grundschule und für Jugendliche in einer Gesamtschule lesen.

„Fußball, Gott und echte Freunde“ ist das aktuelle Kinderbuch Aygen-Sibel Çeliks.
Da haben sich die Erwachsenen was Schönes ausgedacht: Die St. Josef Kicker sollen gegen den FC Shalom und die Yunus-Kicker antreten. Die drei Freunde Christopher, David und Kerim haben aber nicht die geringste Lust, gegeneinander zu spielen. Ihre Eltern steigern sich dennoch immer mehr in den Wettbewerb rein. Und dann kommt auch noch Gott ins Spiel...

In dem Jugendroman „Seidenhaar“ bekommen sich die beiden jungen Türkinnen Canan und Sinem in die Haare. Canan behauptet, sie würde aus Überzeugung ein Kopftuch tragen, Sinem kauft ihr das nicht ab. Als Canan am nächsten Tag verschwunden ist, macht sich Sinem Sorgen, dass sie sich radikalen Kreisen angeschlossen haben könnte. Auf der Suche nach Canan lernt sie den Islam jedoch von einer ganz anderen Seite kennen.

Yücel Feyzioğlu
Yücel Feyzioğlu wurde 1946 in Kars/Türkei geboren und kam Anfang der siebziger Jahre nach Deutschland. Er ist ausgebildeter Pädagoge und arbeitete in der Türkei als Lehrer, bevor er 1972 nach Deutschland floh, weil er wegen der Veröffentlichung einiger Kurzgeschichten zu sechs Jahren Haft verurteilt wurde. Anfangs arbeitete er hier in seinem Beruf weiter, konnte sich jedoch ab 1985 hauptberuflich dem Schreiben widmen. Feyzioğlu ist Mitglied des Verbandes Deutscher Schriftsteller und schreibt neben seinen vielbeachteten Kinderbüchern auch Satiren. 1992 wurde Feyzioğlus Einreiseverbot in die Türkei aufgehoben. Seither ist er auch in seiner alten Heimat ein anerkannter Autor, der in beiden Ländern eine positive Medienresonanz und mehrere Literaturpreise erhalten hat, unter anderem 2001 zum zweiten Mal den 1. Preis von der „Cumhuriyet Zeitung“ und 2004 den Märchenpreis der türkischen “Kinderbuchautoren Union” in Ankara. Yücel Feyzioğlu lebt und arbeitet in Herten (NRW).

In der Grundschule Ostschule liest Yücel Feyzioğlu den Kindern Märchen in zwei Sprachen vor und bezieht sie theatralisch mit ein. Er transponiert Figuren und Motive der türkischen Märchentradition in die Gegenwart und thematisiert so auf eindringliche Weise insbesondere auch die Problemfelder Migration und Integration für ein junges Lesepublikum.

Emine Sevgi Özdamar
Die Schauspielerin und Schriftstellerin wurde 1946 in Malatya/Türkei geboren und kam zum ersten Mal 1965 als 19-Jährige nach Deutschland. Sie arbeitete zunächst in einer Berliner Fabrik und lernte dann von 1967 bis 1970 an einer Schauspielschule in Istanbul. Zurück in Berlin machte sie lange Jahre Brecht-Theater an der Volksbühne mit darauffolgenden Engagements am Schauspielhaus Bochum und Frankfurt. Seit 1982 schreibt Özdamar neben ihren Schauspiel-Engagements Romane, Gedichte und Erzählungen, die von ihren Erfahrungen in Deutschland handeln. Für ihre Werke erhielt sie viele Auszeichnungen: u. a. den Ingeborg-Bachmann-Preis (1991), den Adelbert-von-Chamisso-Preis 1999 und den Künstlerinnenpreis des Landes NRW (2001). Zudem erhielt sie 1995 die New-York Scholarship des Literaturfonds Darmstadt. 2003 wurde sie Stadtschreiberin von Bergen-Enkheim und ist Trägerin des Kleist-Preises 2004. Emine Sevgi Özdamar lebt und arbeitet in Berlin.

Zu LiteraTürk kommt Emine Sevgi Özdamar mit "Sonne auf halbem Weg. Die Istanbul-Berlin-Trilogie" (Kiepenheuer & Witsch 2006). Der letzte Band der Trilogie "Seltsame Sterne starren zur Erde" erschien erstmals vor drei Jahren und erzählt die Geschichte einer jungen türkischen Frau, die in den 70er-Jahren von West- nach Ostberlin zieht, um bei Benno Besson an der Volksbühne als Schauspielerin und Regieassistentin zu arbeiten – ebenso wie Emine Sevgi Özdamar! 

Thomas Findeiß
Thomas Findeiß wurde 1958 in Naila (Oberfranken) geboren. Von 1980-1984 studierte er Jura an der Freien Universität Berlin sowie 1985-1993 an der Deutschen Film- und Fernsehakademie. Er bereiste Nordafrika, den vorderen Orient und die USA. 1997 und 1999 erschienen bei Volk und Welt seine beiden Romane „Holy Days“ und „Die Heimat der Schneestürme“. Thomas Findeiß wird als knallharter Erzähler bezeichnet, der ohne zuviel Sympathie für seine Helden aufkommen zu lassen, spannende Welten entwirft (Anne Hahn). Er schrieb mehrere Drehbücher und veröffentlichte unter anderem Artikel in den Zeitungen FAZ, Die Tageszeitung und Die Zeit. Findeiß arbeitete als Studio- und Filmmusiker, Schauspieler und Synchronsprecher und führte Regie. Der Autor lebt und arbeitet in Berlin.

Im Rahmen von LiteraTürk liest Thomas Findeiß aus seinem Roman „Die Heimat der Schneestürme“. Der Roman erzählt die Geschichte einer Türkeireise der Freunde Carl und Ruben, die in Istanbul ein tragisches Ende nimmt und für Ruben 12 Jahre Gefängnis bedeutet. Der Alltag im Gefängnis zwischen Gewalt, Einsamkeit und Folter erscheint Ruben mit der Zeit als „eine logische Fortsetzung des Zustandes innerer Verlassenheit, in der ich mich schon lange befunden hatte, ohne sonderlich darunter zu leiden.“ 

Esmahan Aykol

1970 in Edirne in der Türkei geboren, lebt heute in Berlin und Istanbul. Während des Jurastudiums arbeitete sie als Journalistin für verschiedene türkische Zeitungen und Radiosender. In ihrem erster Roman "Hotel Bosporus" prallen deutsch-türkische Vorurteile mit voller Wucht aufeinander und werden mit Leichtigkeit und Humor vom Tisch gefegt. Es geht um internationale Verbrechen, aber auch um grenzüberschreitende Freundschaft. Der Roman findet in der ganzen Türkei reißenden Absatz.

Esmahan Aykol liest bei Literatürk aus ihrem letzten Buch "Goodbye Istanbul"(2007). Darin geht es um eine junge Türkin, die aus Istanbul nach London flieht, um einer unglücklichen Liebe zu entkommen und dabei feststellt, dass Erinnerungen an die unglückliche Liebe untrennbar verbunden sind mit unzähligen anderen Erinnerungen, die sie nicht verloren gehenlassen will. 

Ayla Kutlu

Geboren 1938 in Antakya/Türkei besuchte Ayla Kutlu das Gymnasium in Gaziantep bevor sie in Ankara Politik studierte. Sie arbeite lange Jahre im Innen-Ministerium und begann mit 35 Jahren zu schreiben. Ihre erste Geschichte veröffentlichte sie in der Zeitschrift "Özgür Insan" unter dem Pseudonym Aygen Berel. 1977 erschien ihr erster Roman "Kaç" (Die Flucht). Aufgrund von Stipendienregelungen mußte sie zwanzig Jahre im Innenministerium arbeiten, bevor sie sich dann ab 1980 ganz dem Schreiben widmen konnte. 1985 erschien der Roman "Bir göçmen kuştu O" (Er/Sie war ein wandernder Vogel), in dem sie die Geschichte eines osmanischen Intellektuellen aus der Sicht einer Frau beschreibt. Der 1999 erschienene Roman "Emir Beyin kızları" (Die Töchter des Emir Bey) ist die Fortsetzung dieser Geschichte und erhielt mehrere Preise. Zuletzt erschien 2006 "Zamanda eskir" (Auch die Zeit wird alt), ein Erinnerungsroman ihres Lebens bis zum Alter von 22 Jahren. Ayla Kutlu lebt und arbeitet in Istanbul.

Am Abschlusstag von LiteraTürk liest Ayla Kutlu aus "Sende gitme Triayandafilis" (Geh‘ Du nicht auch noch, Triayandafilis, 1989). Dieser 1994 unter dem Namen "Sen de gitme" verfilmte Roman erzählt die Geschichte eines ponthus-griechischstämmigen Mädchens in der Türkei während des 2. Weltkrieges, das eines Tages beschließt, einem französischen Soldaten zu folgen.

Imran Ayata

wurde 1969 in Ulm geboren und studierte Politikwissenschaften in Frankfurt am Main. Er ist geschäftsführender Gesellschafter der 'A&B ONE Kommunikationsagentur' in Berlin, Autor und DJ. In den neunziger Jahren war er Redakteur der Zeitschrift "Die Beute. Politik und Verbrechen". Er veröffentlichte zahlreiche Beiträge in Zeitschriften und Sammelbänden in Deutschland und der Türkei. Ayata war Mitbegründer von "Kanak Attak" und ist seit seinem 6. Lebensjahr Fan von Galatasaray Istanbul, einer "lebenslangen Liebe", wie er es selbst nennt. 2005 erschien sein vielbesprochenes Debüt "Hürriyet Love Express". Der Autor lebt und arbeitet in Berlin.

Imran Ayata liest bei LiteraTürk aus "Hürriyet Love Express". Seine Erzählungen sind Momentaufnahmen aus dem Leben gesellschaftlicher Randfiguren, die sich nur schwer in typisierte Identitätsmuster ordnen lassen. Mit Ironie und Witz schreibt der Autor über skurrile Begebenheiten, verrückte Ideen und abenteuerliche Nachtausflüge, die das zumeist prekäre Leben der Charaktere bestimmen. Melancholie und Traurigkeit der Figuren bestimmen die Texte ebenso wie die Ernsthaftigkeit am Ende der Erzählungen.

Yüksel Pazarkaya
wurde 1940 in Izmir geboren und kam 1958 nach Deutschland. Hier studierte er erst Chemie, dann Germanistik, Philosophie und Linguistik und promovierte 1973 in Literaturwissenschaften. Er arbeitet seit 1959 für türkische und deutsche Zeitungen, Zeitschriften und Rundfunkanstalten. Pazarkaya veröffentlicht seit den achtziger Jahren Essays, Lyrik und Prosa. Er übersetzte unter anderem Werke der bedeutenden Autoren Orhan Veli, Nâzim Hikmet und Aziz Nesin ins Deutsche und erhielt international Lehraufträge und die Ehrendoktorwürde der Universität Çanakkale (2006). Der Bundesverdienstkreuzträger ist Mitglied sowohl des deutschen als auch des türkischen PEN-Clubs. Yüksel Pazarkaya lebt und arbeitet in Bergisch-Gladbach und Köln.

Yüksel Pazarkaya liest aus dem Roman "Ich und die Rose" (2002) und einer Auswahl an jüngst erschienenen Essays und Gedichten. Pazarkaya geht im seinen Roman mit ebensoviel Gespür für Stimmung und Atmosphäre auf die Schönheiten der Türkei wie auf die Willkür der Behörden, des Militärs und der Neureichen ein. Im Essayband "Nur um der Liebenden Willen dreht sich der Himmel" (2006) setzt Pazarkaya sich kritisch mit gesellschaftlichen Veränderungen nach der Wiedervereinigung Deutschlands auseinander. In dem Gedichtband "Du Gegenden" (2005) entwirft er einen von Text zu Text wie Wasserkreisen gleich wachsenden Zyklus, der im letzten Gedicht das Motiv der Liebe mit all ihren Widersprüchen brennpunktartig verdichtet. 

Jürgen Ebertowski

1949 in Berlin geboren, ist einer Vielzahl von Lesern durch seine zahlreichen Bücher bekannt, wie beispielsweise "Unter den Linden Nummer Eins" (1999), "Das Kreuz des Samurai" und "Aikido Speed" (beide im Jahr 2000 erschienen). Er studierte Japanologie und lebte viele Jahre in Japan, wo er als Sprachlehrer für das Goethe-Institut in Tokio tätig war. Ebertowski, der mit zu den erfolgreichsten deutschsprachigen Krimiautoren zählt, versteht es ausgezeichnet, Spannung mit Witz und Ironie zu mischen und zugleich sachkundig das Bild, das Europäer und Asiaten voneinander haben, in seine Kriminalroman zu vermitteln. In "Die Erben des Dionysos" ist der Ich-Erzähler aus Berlin-Kreuzberg, der von der Narr Bar aus nach Istanbul und ans Marmarameer reist und Zeuge eines verwickelten Falls wird. Ebertowskis in Deutschland und der Türkei spielende Krimiromane sind ins Türkische übersetzt und erfreuen sich in der Türkei großer Beliebtheit. Der Autor lebt in Berlin.

Für LiteraTürk hat Jürgen Ebertowski seine Kreuzberg-Istanbul Krimis im Gepäck. In denen ermittelt Eugen Meunier, Schriftsteller, Hugenotten-Nachkomme mit türkischen Freunden und Freude an türkischem Wein, am Bosporus, wo er in die farbenprächtige Stadt eintaucht und allerlei Überlegungen anstellt, um seine kniffligen Fälle zu lösen, in denen Meuniers literarischer Spür- und erotischer Feinsinn gefragt sind.

Birand Bingül

wurde 1974 in Wickede-Wimbern im Kreis Soest (NRW) geboren. Er studierte an der Universität Dortmund Journalistik und absolvierte 1996/97 ein Volontariat beim WDR. Von 1999 bis Ende 2004 moderierte er das Morgenmagazin "Cosmo" für den WDR/Funkhaus Europa. Als Autor und Reporter arbeitete er für den WDR-Hörfunk und für das ARD-Magazin "Monitor". Birand Bingül arbeitet momentan als Redakteur im WDR Fernsehen ("Cosmo TV") und ist seit Mai 2005 einer der Kommentatoren der ARD Tagesthemen. Sein erster Roman "Ping. Pong." erschien 2002 im Knaur-Verlag. Im selben Verlag gab er 2005 zusammen mit Ayşegül Acevit die Anthologie "Was lebst du?" heraus. Schriftsteller, Schauspieler, Sportler, Politiker – alle mit deutsch-türkischem Hintergrund, kommen hier zu Wort.

Bei LiteraTürk stellt Birand Bingül ausgewählte Biographien aus dem Band "Was lebst Du?" vor. "Wir sind unter anderem türkisch" heißt es im Vorwort. Es ist dieser Akzent der den Band charakterisiert. Es sind die vielen Stimmen, die hier zu Wort kommen und auf diese Weise die Vielfalt der Lebenswirklichkeiten und –gefühle verdeutlichen. Birand Bingül wird mit anwesenden Jugendlichen Fragen der Identität, Zugehörigkeit und Integration diskutieren. 

Hasan Ali Toptaş

geboren 1958 in Buldan, einer Industriestadt im Südwesten der Türkei, arbeitete ab 1981 als Gerichtsvollzieher und später als Beamter in verschiedenen Finanzämtern. Toptaş gilt als urwüchsiges Erzähltalent. Er besitzt eine magische Beziehung zur türkischen Sprache, der er in seiner klaren Prosa poetische Qualitäten abzugewinnen vermag. Bisher hat er in der Türkei drei Sammelbände mit Kurzgeschichten und vier Romane veröffentlicht und wird in den türkischen Feuilletons als der "türkische" Kafka beschrieben. Der Zürcher Unions-Verlag legte im Rahmen seiner Türkischen Bibliothek im August 2006 den Roman "Die Schattenlosen" erstmals in deutscher Übersetzung vor, für den Toptaş 1994 in der Türkei den Yunus-Nadi-Literaturpreis erhielt. Der Roman "Bin Hüzünlü Haz" (Eine mit Traurigkeit getränkte Genugtuung) erhielt 1999 den Cevdet-Kudret-Literaturpreis. 2006 wurde Hasan Ali Toptaş mit dem Orhan-Kemal-Preis, dem angesehensten Literaturpreis der Türkei, ausgezeichnet. Er lebt und arbeitet in Ankara.

Im Rahmen von LiteraTürk liest Hasan Ali Toptaş aus "Die Schattenlosen", einem Roman mit einer magischen Sogkraft, der oszilliert zwischen Vergangenheit und Gegenwart, zwischen Traum und Wirklichkeit. Mit seiner Sprachgewalt ist er die Überraschung der türkischen Literatur in den letzten Jahren.

Ayşe Kulin

wurde 1941 in Istanbul als Tochter eines bosnischstämmigen Vaters und einer tscherkessischstämmigen Mutter geboren. Sie besuchte das amerikanische Frauen-College in Istanbul-Arnavutköy und arbeitete in verschiedenen Zeitungen und Zeitschriften. Lange Jahre war sie beim Fernsehen und in der Werbung tätig, bevor dann 1984 ihr Erzählband "Güneşe Dön Yüzünü" (Wende Dein Gesicht der Sonne zu) erschien. Die in diesem Band enthaltene Kurzgeschichte "Gülizar" wurde 1986 unter dem Titel "Kırık Bebek" (Das zebrochene Baby) verfilmt und erhielt den Kulturpreis des Landes. Ayşe Kulin veröffentlichte bisher fünfzehn Bücher, mit denen sie hohe Verkaufszahlen in der Türkei erzielte. Sie erhielt zahlreiche Preise und Auszeichnungen. Für ihren autobiographischen Roman "Adı Aylin" (Ihr Name ist Aylin) wurde sie 1997 von der Literarischen Fakultät Istanbul zur Autorin des Jahres gewählt. Zuletzt ist "Bir Gün" (Ein Tag) erschienen, in der sie die Kurdenproblematik anhand einer Frauenfreundschaft thematisiert. Ayşe Kulin lebt und arbeitet in Istanbul.

Ayse Kulin präsentiert bei LiteraTürk ihre ins Deutsche übersetzte Kurzgeschichte aus dem Band "Steinmauer und offene Fenster - Erzählungen deutscher und türkischer Autorinnen". Diese Begegnungen von Frauen auf literarischer Ebene öffnen eine Tür, eine neue Perspektive und lenken den Blick auf eine Welt, in der Frauen leben und schreiben, ihr Glück oder ihr Unglück erleben, dies zum Ausdruck bringen und nach eigenen Lösungen suchen. 

Necip Tokoğlu - Türkisch-deutscher Poetry Slam
Der 1961 geborene Necip Tokoglu studierte an der Universität Köln semitische Sprachen, osmanisch und neuere türkische Geschichte. Bereits als Student war er der Herausgeber der zweisprachigen Literaturzeitschrift ‚Kalem’. Gegenwärtig ist er u. a. als Übersetzer einer Anthologie zeitgenössischer türkischer Lyrik tätig. Darüber hinaus führt er das deutschsprachige Slamranking an und war der Gewinner bei den letzt jährigen deutschsprachigen Meisterschaften in der Kategorie Politslam. Necip Tokoglu lebt in Aachen, wo er auch eine Lesebühne veranstaltet. Mehr zum Autor erfahren Sie auf der Seite: www.necip-nervt.blog.de

Özlem Haytabay

ist 1969 in Izmir geboren und migrierte mit ihrer Familie 1974 nach Deutschland. Nach diversen Semestern Jura an der Universität Köln und Jobs in der Gastronomie erhielt sie 1999 einen Platz an der Drehbuchakademie der ifs in Köln. 2001 kaufte der WDR ihr Drehbuch "Die Balance", in der sie die Geschichte einer Deutschtürkin erzählt, deren langjährige Liebe sich für den Fundamentalismus entscheidet. Özlem Haytabay lebt und arbeitet als Drehbuchautorin in Köln
und nahm 2004 als Autorentalent an dem "Berlinale Talentcampus" teil.
Seit 2005 tritt sie als Özlem aka "Heidi Haytabay" mit ihrer Lyrik und Prosa bei Poetry Slams auf und steht mit "Lyrock" in einem gemeinsamen Programm mit Florian Cieslik, Kika Wolff-Metternich und Patrick Joisten auf der Bühne.

Claas Neumann - Türkisch-deutsche Poetry Slam
Claas Neuman, Jahrgang ´81 lebt seit 2001 in Essen, wo er Anfang 2002 das erste Mal mit dem Phänomen Poetry Slam in Kontakt kam. Seitdem nahm er an Slams in ganz Deutschland teil u .a. bei den deutschen Meisterschaften 2004 in Stuttgart und 2007 in Berlin. Seit April 2007 organisiert und moderiert er den Poetry Slam “Poesiesonne” in der Capribar in Essen-Rüttenscheid.. Seine Texte variieren von lustigen Gedichten bis hin zur melancholischen Kurzprosa. Neben seinen Soloauftritten steht er auch im Poetry Slam-Team “Team Textosteron”, gemeinsam mit Tilman Döring aus Darmstadt, auf der Bühne.

Türkisch-deutsche Poetry Slam
Pauline Füg - Türkisch-deutsche Poetry Slam
Pauline Füg ist 1983 in Leipzig geboren und in und um Nürnberg aufgewachsen. Seit 2003 studiert Sie Psychologie in Eichstätt. Sie schreibt Lyrik und Prosa und ist Gewinnerin zahlreicher Poetry Slams in ganz Deutschland, sowie einiger kleinerer Literaturpreise. Darüber hinaus gibt Sie Poetry Slam Schreibworkshops und veröffentlichte eigene Texte in Anthologien und Literaturmagazinen. Sehen und hören konnte man Pauline Füg u. a. beim WDR-Poetry Slam und auf Ihren 2007 erschienenen Poetry-EPs „Pauline Füg & the Synthiesiblings“ und „Großraumdichten“. Mehr zu Pauline Füg erfahren Sie auf der Seite www.myspace.com/paulinefueg.
www.myspace.com/paulinefueg.


1. TUERKISCH-DEUTSCHE POETRY SLAM
Poetry Slams sind eine noch junge Präsentationsform für Poesie und Prosa. Das Konzept der Poetry-Slams stammt ursprünglich aus Chicago und hat sich dann sch nell über den nordamerikanischen Raum bis nach Europa verbreitert. Die erste Poetry-Slam fand 1995 in Düsseldorf statt .

Professionelle Performance-Poeten wie Amateurschriftsteller nutzen Poetry-Slams mittlerweile selbstverständlich als Podium, um im direkten Wett kampf mit anderen Teilnehmern ihre Texte vor überwiegend jungem Publikum zu erproben. Inhaltlich und formal gibt es keinerlei Vorgaben. Auf den Slambühnen finden sich fast alle Formen moderner Literatur; von klassischer zerbrechlicher Lyrik bis hin zu Stand-Up-Comedy und prosaisch en Kurzgeschichten.

Für den in diesem Jahr zum ersten Mal im Rahmen von Literatürk stattfindenden PoetrySlam werden die zum Dichter Wettstreit antretenden Autoren und Autorinnen eigene Texte zum Thema 'Du bist was Du sprichst' vortragen. Welche Problem der Verständigung im alltäglichen Miteinander auftauchen können, aber auch die Frage, wie Verständigung gelingen kann, soll aus der Perspektive zweier türkischer und zweier deutscher Autoren beleuchtet werden. In den vorgesehenen drei Runden haben die vier Teilnehmer und Teilnehmerinnen jeweils acht Minuten Zeit, um mit dem Inhalt und der Vortragsweise ihrer Texte sich von ihren Mitstreitern abzusetzen und die Gunst des Publikums zu erwerben. Entscheidend für das Weiterkommen in die nächste Runde ist das Votum des Publikums am Ende einer Runde.

Als Autoren haben wir eingeladen, Necip Tokoglu aus Aachen, Pauline Füg aus Eichstätt, Claas Neumann aus Essen und Özlem Haytabay aus Köln. Die Moderation des Slams wird der in Istanbul lebende Schauspieler und Dramaturg Turgay Dogan übernehmen.

Zafer Şenocak
Zafer Şenocak wurde 1961 in Ankara geboren und siedelte 1970 mit seinen Eltern nach München über, wo er Germanistik, Politologie und Philosophie studierte. Heute lebt er in Berlin. Seit 1979 veröffentlicht er Gedichte, Prosa und Essays in deutscher und türkischer Sprache. Şenocak ist Mitbegründer der mehrsprachigen Literaturzeitschrift "Sirene" und schreibt regelmäßig für verschiedene Zeitungen. In seinen vieldiskutierten Essays analysiert er die Beziehung zwischen deutscher Mehrheitsgesellschaft und türkischer Minderheit.

Die Frage nach einer zeitgemäßen deutschen Identität ist heute aktueller denn je, wie die Hitzigkeit und Hilflosigkeit der Integrationsdebatten beweisen: Wir Deutschen haben keinen positiven Begriff davon, wer wir sind – und deshalb auch keine Vision für eine offene Gesellschaft, die sich nicht über die Abgrenzung des Fremden definiert. Der Schriftsteller und Essayist Zafer Şenocak erinnert uns mit seinem aktuellen Buch „Deutschsein: Eine Aufklärungsschrift“ daran, die universellen Werte der Aufklärung lebenspraktisch ernst zu nehmen. Statt weiterhin auf Ängsten und Vorurteilen zu beharren, wird man mit dem Mut, sich des eigenen Verstandes
zu bedienen, eine bessere Basis für das Zusammenleben finden.

„Ein verblüffendes Buch. Poetisch, grübelnd und doch hochpolitisch. Deutschsein ist ein Beitrag zur leidigen »Integrationsdebatte « – erstaunlicherweise in der Form einer Liebeserklärung. Hier will einer wissen, warum »ein attraktives Land sich hässlich macht. Selten hat ein Autor in jüngerer Zeit so warmherzig über die Deutschen geschrieben wie der Dichter Zafer Şenocak.“ (Jörg Lau, Die Zeit)


Sümeyra Kaya
Sümeyra Kaya, 1983 in Duisburg geboren hat voller Begeisterung Geschichte und voller Desinteresse Germanistik studiert. Während ihres Studiums gestaltete sie ihre eigene deutsch-türkische Sendung im Campus-Radio. 2007 schloss sie ihr Studium ab, bekam einen Job im Historischen Institut in Essen und landetete gleichzeitig bei Funkhaus Europa als Moderatorin der Sendung „Çılgın“ (Verrückt). Sümeyra Kaya lebt in Duisburg. 

Druckversion Druckversion | Sitemap
© Kulturzentrum Grend