Rückblick: Literatürk 2008

Literatürk 2008: 4tes türkisch-deutsches Literaturfestival

Das Festival „Literatürk“ arbeitet seit 2005 daran, sowohl türkischstämmigen als auch deutschstämmigen BewohnerInnen der Stadt Essen und des Ruhrgebiets ein qualitatives und vielfältiges Kulturprogramm im Bereich der türkischen Literatur zu bieten. Im Mittelpunkt steht die Förderung deutschsprachiger türkischstämmiger AutorInnen und türkischer AutorInnen.

Literatürk ist es auch 2008 gelungen Ideen erfolgreich umzusetzen und an den Zielen des Festivals produktiv zu arbeiten. So hat das Festival auch dieses Jahr dazu beigetragen,

- Literatur durch hochwertige Veranstaltungen als Kunstform zu präsentieren.
- Interkulturelle Bildung durch Schul- und Jugendlichenveranstaltungen zu fördern.
- Interkulturellen Dialog durch zweisprachige Lesungen und Rotation in „türkischen“ und „deutschen“ Orten zu bewirken.

Das vierte Literatürkfestival wurde bei insgesamt sechszehn Veranstaltungen von Menschen verschiedenen Alters, Geschlecht und Herkunft besucht. Erfreulich ist, dass nach vierjähriger Arbeit erstmals eine komplette Mischung des Publikums – Türken, Kurden, Jugendliche - festzustellen war. In den vergangenen Jahren war der Anteil des türkischstämmigen Publikums bei Veranstaltungen mit AutorInnen aus der Türkei deutlich höher als der des deutschstämmigen Publikums. Dieses Jahr hingegen konnte ein ausgeglichenes Interesse türkisch- und deutschstämmiger BesucherInnen festgestellt werden. Die OrganisatorInnen führen diesen Erfolg unter anderem auf die konsequente Zweisprachigkeit der Lesungen und die Konzeption des Festivals zurück.

Ebenso konnte festgestellt werden, dass besonders viele Frauen sowohl türkischer als auch deutscher Herkunft sich für die Veranstaltungen interessierten. Der hohe Anteil der Frauen im Literatürkteam und weiblicher Künstlerinnen im Programm scheint dazu beizutragen, dass sich Frauen besonders vom Programm angesprochen fühlen. Als besonderen Erfolg wertet das Team die Comedy Veranstaltung mit Serpil Pak, in der sich auch Kopftuch tragende Frauen hervorragend amüsiert haben.

Konstruktiv erweitert wurden die deutsch-türkischen Kooperationen. Erstmals wurden drei Lesungen in Zusammenarbeit mit der Buchmesse Ruhr veranstaltet. Diese waren mit jeweils über 40 BesucherInnen ein voller Erfolg. Auch die Zusammenarbeit mit dem Melez-Festival der Ruhr 2010 GmbH trägt weiterhin Früchte: die mittlerweile mehrjährigen Kooperationen verfestigen sich. Die Stadtbibliothek Essen ist weiterhin ein fester Partner von Literatürk. Auch die Zusammenarbeit mit dem türkischen Restaurant Tablo als eher ungewöhnlichem Leseort wurde mit Erfolg weitergeführt. Besonders erfreulich ist die neue Kooperation mit dem Migrationsrat Oberhausen und dem Stadttheater Oberhausen. Bei der Lesung mit Asli Erdogan reichten sich insgesamt fünf Partner die Hand: Melez, Buchmesse Ruhr, der Migrationsrat Oberhausen, das Stadttheater Oberhausen und Literatürk sorgten hier zusammen für eine der schönsten und interessantesten Lesungen des Festivals.

Besonders erwähnenswert sind die auch dieses Jahr weitergeführten Kooperationen mit verschiedenen Essener Schulen. Erstmals kooperierte Literatürk mit dem Gymnasium Nordost. Jedes Jahr erreichen Literatürk mehr Anfragen von Essener Schulen, die eine Lesung mit einem türkischstämmigen Autor in ihrer Schule wünschen. Immer wieder berichten LehrerInnen im Anschluss von den wochenlangen kontroversen Diskussionen, die durch die Lesungen ausgelöst worden sind.

Das Festival wurde am 18. Oktober 2008 mit dem gefeierten Istanbuler Autor Murathan Mungan eröffnet. Die Eröffnungsrede hielt der türkische Generalkonsul Dr. Hakan Akbulut. Erstmalig fand die Eröffnung in der Casa des Grillotheaters statt. Auch diese neue Zusammenarbeit freut die Veranstalter außerordentlich. Die Kooperation zwischen dem Grillotheater als eines der renommiertesten Kulturhäuser NRWs und Literatürk ist ein weiterer erfolgreicher Schritt in Richtung interkultureller Öffnung deutscher Kulturinstitutionen in NRW. Ca. 150 BesucherInnen deutscher und türkischer Herkunft genossen die zweisprachige Lesung und das Gespräch mit Murathan Mungan. Der Büchertisch verkaufte im Anschluss über 30 Exemplare der beiden ins Deutsche übersetzten Bücher des in der Türkei überaus bekannten Autors. Ein anschließender Empfang mit Buffet und Getränken in gelockerter Atmosphäre bot die Möglichkeit für reichlichen Gesprächsaustausch.

In Ankoppelung an das Gastland Türkei auf der diesjährigen Frankfurter Buchmesse legte Literatürk 2008 einen Schwerpunkt auf die türkischsprachige Literatur. Neben Murathan Mungan waren bei Literatürk in Deutschland mehr und weniger bekannte AutorInnen der Türkei zu Gast: Nalan Barbarosoğlu, Pınar Kür, Sema Kaygusuz, Murat Uyurkulak, Aslı Erdoğan, Nedim Gürsel und Şebnem Işigüzel repräsentierten sowohl die etablierte als auch die junge Literaturszene der Türkei und beeindruckten mit ihren kunstvollen literarischen Sprachen und den unterschiedlichsten Themen. Alle Lesungen wurden professionell gedolmetscht und moderiert. Das diesjährig erstmals bei jeder Lesung durchgezogene Lesekonzept einer Mischung von Textlesung, zwischenzeitlichem Autorengespräch und anschließendem Publikumsgespräch zeigte sich als voller Erfolg und sorgte für eine gesteigerte Lebendigkeit der Lesungen. Die Veranstaltungen wurden durchschnittlich von je 50 Menschen besucht.

Zehra çırak, Hasan Özdemir, Mustafa Cebe und Yadé Kara vertraten die deutschsprachige Literatur türkischstämmiger AutorInnen. Zehra çırak und Hasan Özdemir präsentierten dem Publikum zusammen ihre bewegenden Gedichte im Kulturzentrum Grend.

Mustafa Cebe las in der Grundschule Leither Schule und begeisterte mit seinem Buch „Schneeball“ in einer zweisprachigen Lesung über 100 Kinder. Die Autorin Yadé Kara hingegen las im Gymnasium Nordost vor über 200 SchülerInnen aus ihrem preisgekrönten Buch „Selam Berlin“. In den mehrfachen Pausen zwischen den Lesesequenzen stellten die SchülerInnen zahlreiche Fragen, gaben Kommentare ab und übten auch Kritik am Text.

Ein besonderer Gast war dieses Jahr Yusuf Yeşilöz, ein deutschsprachiger kurdischstämmiger Autor aus der Schweiz. Yusuf Yeşilöz zog vor allem kurdischstämmiges Publikum an und sorgte als Schweizer Autor für ganz neuen Diskussionsstoff. Beispielsweise konnten Vergleiche angestellt werden, wie die Situation für Autoren mit Migrationshintergrund im Gegensatz zu Deutschland in der Schweiz ist. Dabei wurde festgestellt, dass die AutorInnen in der Regel mit denselben Vorurteilen kämpfen müssen und nur selten trotz erlangter Staatsbürgerschaft als Autor Ihres Aufnahmelandes anerkannt werden.

Zwei Veranstaltungen besonderer Art waren die Lesung von veröffentlichten Texten Essener Jugendlicher im Grend und die das Festival abschließende Comedy mit Serpil Pak.

Unter dem Titel „Essener Jugendliche melden sich zu Wort“ fand am Samstagnachmittag im Grend eine Lesung mit Essener Jugendlichen statt, die mittels eines Wettbewerbs für mehrere Buchprojekte ausgewählt wurden. Bei der Veranstaltung stellten vier Mädchen ihre in den Büchern erschienenen Texte vor und beantworteten Fragen der Initiatoren des Projekts. Die Mädchen präsentierten stolz ihre Texte und lösten Begeisterung im Publikum aus. Es war für sie eine ganz besondere Erfahrung bei einem Literaturfestival gehört zu werden. Viele von den Jugendlichen sind sehr begabt und sollten unbedingt weiterhin gefördert werden. Literatürk will hier auch in Zukunft einen Beitrag leisten um schreibende Essener Jugendliche mit und ohne Migrationshintergrund zu unterstützen und hat das aktuelle und gerade im Geest-Verlag erschienene Buchprojekt „Pfade im Revier – Pfade ins Revier“ mit unterstützt.

Zum Abschluss des Festivals präsentierte die Berliner Diplom-Psychologin und Kabarettistin Serpil Pak ihr Comedy Stand Up: „In Schleierhaft – Eine Orientwalküre packt aus“. Die Kabarettistin sorgte mit ihrer scharfen Zunge und ihrem Sprachwitz für ein Tränen lachendes Publikum. Der Saal im Grend war mit achtzig Zuschauern bis auf den letzten Platz belegt. Wie schon oben erwähnt zog Serpil Pak ein durchmischtes Publikum an, dass sich gemeinsam ebenso über „typisch deutsche“ als auch „typisch türkische“ Unarten amüsieren konnte. 

Programm 2008
Literatürk2008_Programmübersicht.pdf
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Literatürk 2008: Die Autoren und Autorinnen

Zehra Çırak
Die deutschsprachige Lyrikerin wurde 1960 in Istanbul geboren und siedelte drei Jahre später nach Deutschland über, wo sie in Karlsruhe aufwuchs. Seit 1982 lebt und arbeitet sie in Berlin. 1987 erschien ihr erster Gedichtband "Flugfänger", weitere Bände mit Lyrik und Kurzprosa folgten. Ein Schwerpunkt ihrer Texte beruht in der gemeinsamen Zusammenarbeit und den Auftritten im In- und Ausland mit Texten zu den Skulpturen vom Objektkünstler Jürgen Walter.
Die Autorin erhielt für ihre Werke zahlreiche Stipendien und Auszeichnungen, u.a. 1989 und 1993 den Adalbert-von-Chamisso-Förderpreis und den Friedrich-Hölderlin-Förderpreis.

Gemeinsam mit Hasan Özdemir liest Zehra Çırak bei LiteraTürk eine Auswahl ihrer Gedichte.

Murathan Mungan
Murathan Mungan, 1955 in Istanbul geboren, wuchs in Mardin, im Osten der Türkei, auf. Nach seinem Studium der Theaterwissenschaften in Ankara war er unter anderem an den Staatstheatern in Ankara und Istanbul tätig. Mungan zählt zu den wichtigsten Vertretern moderner türkischsprachiger Literatur. Er verbindet Stoffe aus Liedern, Sagen und Märchen und verknüpft sie mit modernen Inhalten zu ungewöhnlichen Synthesen, in denen die Gleichzeitigkeit des Ungleichen eine zentrale Rolle spielt. 

Aslı Erdoğan
1967 in Istanbul geboren, studierte Aslı Erdoğan Informatik und Physik an der Bosporus Universität in Istanbul. Anschließend arbeitete sie am Kernforschungszentrum CERN in Genf und in den Jahren 1994 und 1995 in Rio de Janeiro. 1996 gab sie ihre Karriere als Physikerin auf und konzentrierte sich aufs Schreiben. 1996 erschien ihr erster Roman "Mucizevi Mandarin" (Der wundersame Mandarin). Sie ist Mitglied im PEN und der türkischen Schriftstellervereinigung sowie Gründungsmitglied des Kunst und Literaturforums von Diyarbakir. Seit August 2008 ist sie Stipendiaten im Heinrich Böll Haus.

"Asli Erdogan ist Teilnehmerin an der vom Bundespräsidenten initiierten interkulturellen Gesprächsreihe "Vielfalt der Moderne - Ansichten der Moderne". Herausragende Persönlichkeiten aus unterschiedlichen Weltteilen, Kulturen und Religionen haben in den vergangenen Monaten in kleiner Runde in Schloss Bellevue über ihr Verständnis von Moderne, über deren Errungenschaften wie Fehlentwicklungen und die Folgen für das Leben der Menschen überall auf der Welt diskutiert.: Welchen Preis hat der Fortschritt? Wieviel Gemeinschaft braucht das Individuum? Wieviel Weisheit die Wissenschaft? Durch die aktuelle Diskussion über den Klimawandel und die Grenzen der ökologischen Tragfähigkeit unserer Erde und nicht zuletzt auch durch die Erfahrung der globalen Finanz- und Wirtschaftskrise haben diese Fragen eine neue Dringlichkeit erhalten. Sie rühren an das Selbstbild der westlichen Welt und an unser Verständnis von Modernität, das sich auf den Glauben an Vernunft und Fortschritt, auf wissenschaftliche Erkenntnis, auf Individualisierung, Emanzipation und Säkularisierung gründet.

Zu LiteraTürk kommt die Autorin mit "Die Stadt mit der roten Pelerine" (Kırmızı Pelerinli Kent) und "Der wundersame Mandarin" (Mucizevi Mandarin)

Hasan Özdemir
1963 in der Türkei geboren lebt Hasan Özdemir seit 1979 in Ludwigshafen am Rhein. Er absolvierte das Studium der Germanistik, Philosophie und Deutsch als Fremdsprachenphilologie in Heidelberg und erhielt 1994 ein Stipendium für Literatur der Stadt Stuttgart im Schriftstellerhaus. In den Jahren 1997, 1998 und 1999 reiste er auf Einladungen des Goethe-Instituts und des Schriftstellerverbandes der Stadt Posen in die Türkei, nach England und Polen. Für seine Lyrik erhielt er zahlreiche Preise und Auszeichnungen, u.a. 1998 Reisestipendium von der Stiftung zur Förderung der Kunst in der Pfalz.

Der Autor zahlreicher Lyrikbände erhielt den Pfalz-Literatur-Förderpreis 2002.

Mit Zehra Çırak zusammen wird er bei LiteraTürk eine Auswahl seiner Gedichte präsentieren.

Murat Uyurkulak
1972 in Aydın geboren, studierte Murat Uyurkulak zunächst Jura und Kunstgeschichte in Izmir, brach jedoch beides ab und zog schließlich nach Istanbul. Dort arbeitete er als Kellner, Übersetzer und Journalist. Heute ist er der Auslandskorrespondent der Tageszeitung BirGün. Zudem hat er Bücher von Edward Said und Mikhail Bakunin ins Türkische übersetzt. Sein erster Roman "Tol" (Zorn) wurde 2002 veröffentlicht und erregte sofort größtes Aufsehen. Seither gilt Murat Uyurkulak als wichtige literarische Stimme in der zeitgenössischen türkischen Literatur.

Bei LiteraTürk liest er aus "Zorn" (Tol), das im September 2008 in deutscher Übersetzung erschienen ist sowie Auszüge aus seinem im Mai 2011 auf Türkisch erschienenen Erzählband "Bazuka" 

Pınar Kür
1943 in Bursa geboren, ging Pınar Kür in New York zur Schule und studierte an der amerikanischen Universität in Istanbul. Seit ihrer Promotion an der Sorbonne in Paris im Fach Literatur- und Theaterwissenschaften publiziert sie regelmäßig ihre Werke. Angefangen mit Erzählungen, die in literarischen Zeitschriften erschienen, erschien 1976 ihr erster, politisch brisanter Roman "Yarın Yarın" (Morgen, Morgen), der die militärische Machtübernahme vom 12. März 1971 thematisiert. In ihren Romanen thematisiert sie die Machstrukturen der Gesellschaft, insbesondere zwischen Männern und Frauen und verarbeitet immer wieder die militärischen Machtübernahmen, die in der Türkei stattgefunden haben.

Bie LiteraTürk liest Pınar Kür aus dem im September 2008 erscheinenden Roman "Mordsfakultät".

Murad Durmuş
Geboren im schwäbischen Herrenberg, studierte Murad Durmş Informatik und Philosophie. Er arbeitet im Bereich Informatik als Projektleiter und schreibt seit 2006 Bücher. Sein erstes Buch "L.I.E.B.E." handelt von der Suche eines jungen Mannes nach der idealen Frau und den Schwierigkeiten des Liebens und Lebens. "Panoptikum - Deutschland den Türken. Oder: Wie kann man diese Türken nur assimilieren?" und "Gastarbeiter" erschienen Anfang 2007 und beschäftigen sich mit dem Phänomen der Türken in Deutschland auf eine humorvolle Weise.

Murad Durmuş wird im Rahmen von LiteraTürk den Schülerinnen und Schülern der Erich-Kästner-Gesamtschule aus seinen satirischen Romanen vorlesen.

Yadé Kara
geboren 1965 in Cayirli (Türkei), studierte Yadé Kara Anglistik und Germanistik. Sie arbeitete als Schauspielerin, Lehrerin, Managerin und Journalistin in Berlin, London, Istanbul und Hongkong. Für ihren 2003 erschienenen Roman „Selam Berlin“ erhielt sie 2004 den Deutschen Bücherpreis für das beste Debüt und den Adelbert-Chamisso-Förderpreis. „Selam Berlin“ wurde in mehrere Sprachen übersetzt und ist zum Beispiel in Italien Schullektüre. Zur Frankfurter Buchmesse erscheint der Roman „Café Cyprus.“ Yadé Kara lebt und arbeitet in Berlin.

Bei LiteraTürk liest sie aus ihren beiden Büchern „Selam Berlin“ und „Café Cyprus“.

Şebnem İşigüzel
Geboren 1973 in Yalova/Türkei studierte Şebnem İşigüzel Anthropologie an der Universität Istanbul und arbeitete einige Jahre als Journalistin bei verschiedenen privaten Fernsehsendern. Ihre ersten Werke erzählen über das Frauendasein in der Türkei und ihr Stil zeichnet sich aus durch eine Verbindung von Karikatur und Schreiben, vermengt mit schwarzem Humor und einer scharfen Beobachtungsgabe. Für ihren Roman "Hanene Ay Doğacak" (1993) erhielt sie den Yunus – Nadi Preis. Das Buch erschien in der Türkei bis 2000 nur in zensierter Form, da es tabuisierte Themen wie Inzest und Nekrophilie ansprach. Zur Zeit arbeitet die Autorin an einem Roman politischen Inhalts, in dem sie die Militärputsche während der letzten 30 Jahre in der Türkei und die Akteure beschreibt. Şebnem Işigüzel lebt mit ihrer Tochter in Istanbul.
Bei LiteraTürk liest sie aus Ihrem Roman „Am Rand“.

Foto:Iletisim Yayinlari

Geboren 1965 in der Türkei studierte er Betriebswirtschaftslehre und lebt jetzt in Duisburg. Vor drei Jahren begann er zweisprachige Kinderbücher in deutscher und türkischer Sprache zu schreiben, die bereits erfolgreich veröffentlicht wurden. Seine Bücher “Die Reise zum blauen See”, “Die Vogelscheuche und der Schneemann”, „Liebe Sonne, wo bist du?“, “Buzcan, der kleine Drache” und „Schneeball“ werden erfolgreich in öffentlichen Einrichtungen gelesen und von Eltern geschätzt. Mustafa Cebe ist bei der RAA-Duisburg tätig und leitet Elternseminare und Väternachmittage für türkische Eltern zum Thema “Mit Büchern wachsen”.

Im Rahmen von LiteraTürk liest Mustafa Cebe für die Kinder der Grundschule Leitherschule.

geboren 1951 in Gaziantep im Südosten der Türkei, ging er nach dem Staatsstreich von 1971 nach Frankreich. Seit 1999 ist er der Direktor des Pariser Centre Nationale de la Recherche Scintifique. 1969 veröffentlichte er erstmals Geschichten in Literaturzeitschriiften und 1976 dann seinen ersten Kurzgeschichtenband "Uzun Sürmüş Bir Yaz" (Ein Sommer, der lang dauerte). Mit seinen folgenden Kurzgeschichten und Romanen ist er Träger zahlreicher Preise und Auszeichnungen in der Türkei und in Frankreich. Im deutschen Sprachraum haben ihn die Romane "Der Eroberer" (1998) und "Turbane in Venedig" (2002) bekannt gemacht. Gürsel lebt in Paris und Istanbul und unterrichtet an der Sorbonne türkische Literatur.

In der kooperativen Veranstaltung von LiteraTürk und der Buchmesse Ruhr liest Nedim Gürsel aus "Die sieben Derwische" (Yedi Dervişler).

Serpil Pak
Im zarten Alter von 9 Jahren wurde Serpil Pak von ihren Eltern nach Deutschland verschleppt. Als Diplompsychologin entwickelte sie eigene Konzepte zu interkulturellen Therapiemethoden und Theaterpädagogik als therapeutisches Instrumentarium und hielt Vorträge für Psychologen, Richter und Staatsanwälte.
Pak spielte Rollen in Hörspielen und Fernsehproduktionen für den WDR sowie in dem Kinofilm „Eine andere Liga“.
Nursel Köse entdeckte sie 1992 für die Frauenkabarettgruppe „Die Bodenkosmetikerinnen“. Zuletzt tourten die beiden Frauen mit ihrem erfolgreichen Programm „Arabesk“ durch die gesamte Republik. Seitdem trat sie in zahlreichen Comedy Shows auf. Ihre persönliche Spezialität sind Rap Stand Ups in denen sie Sprachwitz mit der Sprechkunst des Hip Hop zusammenbringt. Sie ist Sprachjongleurin und Verbalakrobatin.


Bei Literatürk präsentiert Serpil Pak ihren "Rap Stand Up „In Schleier Haft – Eine Orientwalküre packt aus“ und bietet ein weiteres Beispiel dafür, wie Sprache künstlerisch eingesetzt werden kann. Als Berufstürkin sieht sie sich als muslimisch sozialisierte Wahldeutsche mit „Migrationshintergrund“ die authentisch protestverschleiert ihre Integrität endlich in der neuen Kollektion von „Bin Lagerfeld“ wieder findet. Unbefangen entschleiert sie das Mysterium türkische Frau, erzählt über das deutsche Kreuz mit türkischen Namen und wie aus ihr Sybell Kap wurde, über türkische Väter, deren Töchter sexy verschleiert sind und wie Frau in Neukölln interkulturell ins Ohr „gefickt“ wird. Gut, dass sie als ausgebildete Psychologin ihr zwangsschizophrenes Leben im Spannungsfeld transkultureller Parallelwelten meistern kann!

„Stand up Comedy, die unters Kopftuch geht“. (Taz Online)

"Serpil Pak hat es nicht leicht. Als Berufstürkin und Passdeutsche ist sie in einem zwangsschizophrenen transkulturellen Spannungsfeld gefangen, dass sie nur dank ihres Psychologiestudiums und ihrer manischen Kaufsucht erträgt. Shoppen gegen die nächste Depression, wenn ihre Mutter mal wieder als Hobbyärztin mit freiverkäuflichen Antibiotika aus der Türkei die gesamte Nachbarschaft kuriert“.(Berliner Morgenpost)

"Nichts und niemand wird verschont. Nicht die modische türkische Schleierträgerin, und die verklemmte Lesbe oder der liebeskranke türkische Gemüseverkäufer, der seiner Frau beim CSD in Kreuzberg die schöne Drag Queen als wahres weibliches Vorbild zeigt" (Aviva)

„Die Verbalakrobatin präsentiert multiple Persönlichkeitsfacetten in Bundesdeutschen Parallelwelten die auf den tiefsten Grund gehen. Darunter die integrierte Bundestürkin, die Orientwalküre, die Sexkoryphäe und die ganz schlichte Psychotikerin“. (Taz Online)

„Der humorvolle weibliche Einblick in das schizophrene Gefühlsleben einer Berufstürkin und Bundesdeutschen auf einer Comedybühne war seit langem überfällig“. (Berliner Morgenpost)

www.serpil-pak.de

Nalan Barbarosoğlu
Nalan Barbarosoğlu wurde 1961 in Adapazarı geboren. Sie beenedete 1982 die Istanbul Universität, wo sie Literatur und Philosophie studiert hat. Seit 1980 schreibt sie Kurzgeschichten, die zunächst in verschieden Zeitschriften erschiene bis dann 1996 ihr erstes Buch mit Kurzgeschichten veröffentlicht wurde. Für diverse zeitschriften udn die tageszeitung "Radikal" hat sie mehrere Artikel über das Genre Kurzgeschichten verfasst und ist nachwievor Redakteurin der Literaturzeitschrift "Eşik Cini"Nalan Barbarosoglus Sprache zeugt von großer Vorstellungskraft. Sie verwendet häufig Metaphern und spielt mit dem Symbolgehalt mancher Wörter. Sie hat eine Vorliebe für anschauliche, teils lautmalerische Ausdrücke und für Vergleiche – vor allem an Stellen, in denen das Setting beschrieben wird.

Bei LiteraTürk liest sie aus Ihrem gerade erscheinenden Roman "Silbernacht".


Yusuf Yeşilöz, geboren 1964 in einem kurdischen Dorf in Mittelanatolien, kam 1987 als Flüchtling in die Schweiz. Seit 1994 übersetzt er kurdische Literatur ins Deutsche und gibt sie im Eigenverlag „Ararat“ heraus. Er lebt mit seiner Familie in Winterthur und arbeitet als freier Autor, Übersetzer und Filmemacher. 2007 erhielt er den Preis der Kulturstiftung Winterthur. Bisher veröffentlichte er Romane, Kriminalromane und drehte drei Dokumentarfilme. In seinen Romanen und Filmen erzählt er Geschichten der Kurden in der Türkei und in der Schweiz. Yeşilöz, dessen Muttersprache kurdisch ist, schreibt in deutscher Sprache.
Seine Bücher sind in fünf Sprachen übersetzt.

Bei Literatürk wird Yusuf Yeşilöz aus seinem aktuellen Roman "Gegen die Flut" lesen.

Foto:Luca Zanier

Kinder und Jugendliche melden sich zu Wort
Schüler und Schülerinnen lesen ihre eigenen Texte

Seit 2005 sind Essener Jugendliche mit und ohne Migrationshintergrund jährlich in einem Wettbewerb dazu aufgerufen, ihre Sichtweisen auf ein vorgegebenes Thema in den verschiedensten literarischen Formen zu präsentieren. Ungeachtet sozialer und ethnischer Herkunft wird Jugendlichen und Kindern die Möglichkeit geboten, selbst zu Wort zu kommen, sich literarisch auszuprobieren, und Schreiben als eine kreative Möglichkeit des Austausches und der eigenen Stellungnahme zu begreifen. Ein besonderer Anreiz sorgt für eine zusätzliche Motivation: Einzelne herausragende literarische Leistungen werden anschließend in einer Anthologie veröffentlicht.

Bisher sind drei Anthologien im Geest Verlag www.geest-verlag.de)erschienen, die von großem Erfolg und Interesse begleitet sind. In den Büchern „Fremd und doch daheim?!“(2005), „Dann kam ein neuer Morgen“(2006) und „Heute ist Zeit für deine Träume“(2007) erzählen Kinder und Jugendliche von ihren Zukunftsträumen und Gedanken möglicher oder auch unmöglicher Perspektiven. Die Bandbreite reicht von der zupackenden positiven Erwartung an ein Morgen über Skepsis bis hin zum völligen Verlust der Hoffnung auf eine sinnstiftende Zukunft. Aber auch das gegenwärtige Befinden ist Thema. Wie fühlen sich die Kinder und Jugendlichen in ihrer Stadt? Womit haben sie im Alltag zu kämpfen? Was macht Ihnen Mut?

Im Herbst diesen Jahres erscheint nun der vierte Band „Pfade ins Revier – Pfade im Revier“, in dem auf die Geschichte des Ruhrgebiets als Einwanderungsregion zurück gegriffen wird.

Bei der Lesung im Grend am letzten Festivaltag werden einige der zahlreichen jungen Autoren und Autorinnen Texte aus den bisher erschienenen Büchern präsentieren. Kinder, Jugendliche und Erwachsene: alle Interessierten Menschen sind eingeladen zu hören und anschließend miteinander ins Gespräch über die Texte zu kommen. Vorgestellt wird das Projekt von Andreas Klink und Arthur Nickel.
www.pfade-ins-revier.de

Sema Kaygusuz
Sema Kaygusuz, geboren 1972 in Samsun, studierte von 1990 bis 1994 in Ankara, wo sie auch Theater spielte und für den Rundfunk arbeitete. Sie veröffentlichte mehrere Bände mit Erzählungen, die mit Preisen bedacht wurden. Sema Kaygusuz, die in jede ihrer Erzählungen etwas von sich und von den Kulturen, in denen sie lebt, hineinwebt, erneuert sich seit ihrer ersten Erzählung ständig. Die Städte, in denen sie als Kind lebte, Stimmen und Gespräche, die sie hörte, prägten stark ihre Identität als Autorin sowie die Bedeutung, die sie den Worten beimisst, und halfen ihr maßgeblich, die Komplexität ihres Landes zu erkennen. In ihrer Sprache kommen jeder Winkel Anatoliens, jeder Zustand des Menschen und insbesondere Frauen vor.
Bei LiteraTürk liest sie aus ihrem Buch "Wein und Gold"

(Foto:Cemil Ağacık)

Günfer Çölgeçen
Günfer Çölgeçen ist Schauspielerin, Theaterproduzentin und Theaterpädagogin und lebt und arbeitet vorrangig im Ruhrgebiet. Nach 5-jähriger Ausbildung realisierte sie ab 1993 eigene Bühnenwerke. Sie spielte am Maxim Gorki Theater in Berlin, am Theater Oberhausen und in diversen anderen Ensembles. Die 2002 entstandene Produktion „Almanya“ ist seit 2006 integrativer Bestandteil des prämierten Beitrages der Stadt Castrop-Rauxel zum „Handlungskonzept Interkultur“ der Staatskanzlei des Landes Nordrhein-Westfalen. Als Nachfolgeproduktion ebenso gefördert von der Staatskanzlei ist als Koproduktion das Stück“ „Schwarze Jungfrauen“ am Westfälischen Landestheater Castrop-Rauxel entstanden.

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