Rückblick: Literatürk 2009

Literatürk 2009: 5tes türkisch-deutsches Literaturfestival in Essen und im Ruhrgebiet

Literatürk: 5. türkisch-deutsches Literaturfestival 2009
24. Oktober – 1, November 2009

Das Festival „Literatürk“ arbeitet seit 2005 daran, sowohl türkischstämmigen als auch deutschstämmigen BewohnerInnen der Stadt Essen und des Ruhrgebiets ein qualitatives und vielfältiges Kulturprogramm im Bereich der türkischen Literatur zu bieten. Im Mittelpunkt steht die Förderung deutschsprachiger türkischstämmiger AutorInnen und türkischer AutorInnen.

Literatürk ist es auch 2009 gelungen, Ideen erfolgreich umzusetzen und an den Zielen des Festivals produktiv zu arbeiten. So hat das Festival auch dieses Jahr dazu beigetragen,

- Literatur durch hochwertige Veranstaltungen als Kunstform zu präsentieren.
- Interkulturelle Bildung durch Schul- und Jugendlichenveranstaltungen zu fördern.
- Interkulturellen Dialog durch zweisprachige Lesungen und Rotation in „türkischen“ und „deutschen“ Orten zu bewirken.

Das türkisch-deutsche Literaturfestival Literatürk war in seiner fünften Auflage 2009 ein voller Erfolg. Mehr als tausend Besucher – jeden Alters und Geschlecht, mit türkischen, deutschen und internationalen Gästen besuchten die insgesamt 17 Veranstaltungen des Festivals. Auch dieses Jahr fiel besonders die gute Mischung von türkischstämmigen und deutschem Publikum auf. Die OrganisatorInnen führen diesen Erfolg unter anderem auf die konsequente Zweisprachigkeit der Lesungenund auf die vielfältige Programmkonzeption des Festivals zurück. Beim bloßen Besuch der Veranstaltungen blieb es jedoch nicht. Das rege Besucherinteresse zeigte sich insbesondere auch an dem umfangreichen Meinungsaustausch vor, nach und zwischen einzelnen Veranstaltungen sowie an einer hervorragenden Presseresonanz, insbesondere auch in den türkischsprachigen Medien

In fünf Jahren Literatürk haben sich viele Kooperationen gefestigt. Die Stadtbibliothek Essen und das türkische Restaurant Tablo sind feste Partner des Festivals. Auch die Zusammenarbeit mit der Erich-Kästner Gesamtschule, der Gustav-Heinemann Gesamtschule, der Grundschule Ost und des Gymnasium Nord-Ost gehören zum festen Bestandteil des Festivals. Die im letzten Jahr aufgenommene und hervorragend gelungene Zusammenarbeit mit dem Grillo Theater Essen, dem Migrationsrat Oberhausen und dem Katakomben-Theater wurde auch in diesem Jahr erfolgreich weitergeführt. Für alle Partner erfreulich waren auch die neu entwickelte Zusammenarbeit mit der Ludwiggalerie Schloss Oberhausen, der Volkshochschule Essen und der Buchhandlung Proust. Hier gelang es in guter Zusammenarbeit, klassische „deutsche“ Kulturorte mit einem interkulturellem Publikum zu füllen. Das Festival leistete dadurch gemeinsam mit den Kooperationspartnern auch in diesem Jahr einen wertvollen Beitrag in Richtung interkultureller Öffnung deutscher Kulturinstitutionen in NRW.

Ganz neue Möglichkeiten im Bereich Öffentlichkeitsarbeit bewirkt die neue Kooperation mit dem Offenen Kanal Essen. Fast alle Veranstaltungen wurden gefilmt und dokumentiert. Dazu wurden zahlreiche Interviews mit Künstlern, Publikum und SchülerInnen geführt, die das Festival kommentieren.


An neun Festivaltagen haben türkische und deutsche AutorInnen in unterschiedlichen Orten in der Stadt Essen mit Schwerpunkt in der Essener Innenstadt aus ihren Büchern gelesen, ihre Gedanken geteilt, diskutiert und sich den Fragen, dem Lob und der Kritik der deutschsprachigen LeserInnen gestellt. Alle Lesungen wurden professionell gedolmetscht und moderiert. Texte türkischer AutorInnen wurden mit Ausnahme von Can Dündar, dessen Texte nicht ins Deutsche übersetzt sind, zweisprachig vorgetragen. Das Lesekonzept - einer Mischung von Textlesung, zwischenzeitlichem Autorengespräch und anschließendem Publikumsgespräch - zeigte sich als voller Erfolg und sorgte für eine gesteigerte Lebendigkeit der Lesungen.

Ein Highlight war die ausverkaufte Eröffnungsveranstaltung mit dem aus Kiel stammenden Autor Feridun Zaimoğlu, der seinen neuen Roman „Hinterland“ vorstellte. Die Eröffnungsrede hielt der Essener Bürgermeister Rolf Fliß, der auch nach dem Festival dem Team nochmals seinen herzlichen Glückwunsch aussprach. Mit ca. 150 Besuchern war jeder Platz im Forum der Stadtbibliothek Essen bis hin zu den Treppenstufen besetzt.

Die in Istanbul geborene Autorin Aslı Erdoğan ließ bei ihrer spannenden Lesung im Kulturzentrum Grend ebenfalls keinen Platz mehr frei. Im Gespräch mit dem WDR Moderator Murad Bayraktar erzählte die Autorin über ihre sehr persönlichen Erfahrungen mit dem Thema „Meinungsfreiheit in der Türkei“ und hinterließ einen nachhaltigen Eindruck bei ihrem Publikum.

Zum zweiten Mal war der deutschsprachige Autor Zafer Şenocak zu Gast bei Literatürk. Der Lyriker, Essayist und Romanautor gab dieses Mal eine Kostprobe aus seinem Prosawerk zum Besten und las aus seinem neuen Roman „Der Pavillon“. Der Autor ist einer der Wenigen in der deutsch-türkischen Literaturszene, die auf Deutsch und Türkisch schreiben. Die Lesung lockte sogar Germanistik-Studentinnen aus Paderborn nach Essen. Gastgeber war im wahrsten Sinne des Wortes auch dieses Jahr wieder das türkische Restaurant Tablo in der Essener Innenstadt.

Murat Gülsoy, ein Vertreter der Literaten der jüngeren Generation forderte die zahlreichen Gäste in der Buchhandlung Proust auf: „Stehlen Sie dieses Buch“. Seine postmodernen Erzählungen sind literarische Abenteuer im besten Sinne; eine literarische Suche, die sich selbst hinterfragt. Die anschließende literarische Diskussion über die Postmoderne in der türkischen Literatur beeindruckte nicht nur die Gastgeberin.

Die Klänge türkischer Gedichte in Begleitung von Flamencorhythmen erfüllten die gemütlichen Kellergewölbe des Katakomben-Theaters. Die türkischen „Kult- und Liebesgedichte“ wurden, wunderbar rezitiert, begleitet von einem Vortrag zu türkischer Lyrik von Sabine Adatepe. Die Veranstaltung fand in Kooperation mit der „Werkstatt 3“ in Hamburg statt, deren Lesereise durch verschiedene Städte von der Robert Bosch Stiftung gefördert wurde.

Der in Hamburg lebende Autor und Satiriker Kerim Pamuk lästerte im ausverkauften Literaturcafé der Stadtbibliothek genüsslich über die Eigenarten der Deutschen wie der „Orientalen“: „Allah verzeiht, der Hausmeister nicht“, so der Titel seines vorgestellten Satirebandes. Amüsieren konnten sich darüber ebenso Deutsche wie Türken.

Mit der preisgekrönten Autorin Ayfer Tunç wurde erstmals im Rahmen von Literatürk eine türkische Autorin vorgestellt, von der noch kein Buch in komplett deutscher Übersetzung vorliegt. Gelesen wurden einzelne ihrer Texte sowie ein bisher noch nicht in Deutschland veröffentlichter Teil ihres neuen Romans. Das Festival hat damit dieses Jahr einen ersten Schritt in Richtung Förderung unübersetzter türkischer AutorInnen getan und möchte diese Arbeit im nächsten Jahr fortsetzen.

Ein Tag des Festivals war ganz dem Thema „Frauen/Frauenbilder und -wahrnehmung“ gewidmet. Die Berliner Schauspielerin Andrea Kurmann las zusammen mit ihrer Bochumer Kollegin Günfer Çölgecen aus dem 2008 im Orlando-Verlag erschienenen Buch „So ist das, meine Schöne“, in dem unterschiedlichste türkische Frauen zum ersten Mal öffentlich über Sex und Liebe sprechen, und damit eines der größten Tabus islamisch geprägter Gesellschaften brachen. Anschließend hielt der Göttinger Lehrstuhlinhaber für Turkologie und Zentralasienkunde Prof. Jens Peter Laut einen hochspannenden und gleichzeitig unterhaltsamen Vortrag über „Sexualität im Argot türkischer Frauen“. In Essen diskutierten wohl zum ersten Mal türkische und deutsche Frauen gemeinsam über dieses weltweit doch alle Menschen bewegende Thema. Der Tag endete thematisch in der Ludwiggalerie des Schloss Oberhausens. Die schrillen Geschichten des aus Ankara stammenden Autors Mehmet Murat Somer aus dem Transvestitenmilieu in der Türkei wurden von der wunderbar witzigen Lilo Wanders sehr präzise und hochunterhaltsam moderiert. Die städteübergreifende Veranstaltung wurde in Kooperation mit dem Migrationsrat der Stadt Oberhausen durchgeführt.

Ein weiteres Highlight des Festivals war die Deutschlandpremiere des Films „Die Schattenlosen“ nach dem gleichnamigen Roman des türkischen Autors Hasan Ali Toptaş, der 2007 schon bei bei Literatürk zu Gast war.. Die modern adaptierte Geschichte zwischen Traum und Realität, die spannend inszenierte Melancholie und die ausgezeichneten Darsteller ließen Hasan Ali Toptaş zu der Bemerkung hinreißen: „Die Verfilmung übertraf alle meine Erwartungen“.

Das Festival endete in der ausverkauften Casa des Grillotheaters. Einer der renommiertesten Journalisten der Türkei, Filmmacher, Fernsehjournalist und Autor Can Dündar diskutierte mit knapp zweihundert in Deutschland lebenden Deutschen und Türken über die aktuelle und zukünftige politische Situation in der Türkei und ihren möglichen Weg in die EU.

Neben den Lesungen für Erwachsene erfreuten sich auch die Lesungen an unterschiedlichen Essener Schulen großer Beliebtheit unter Schülern und Lehren.
Die im letzten Jahr begonnene Zusammenarbeit mit dem Gymnasium Nord-Ost wurde fortgeführt. Der Kölner Autor Selim Özdoğan hatte kaum Gelegenheit zum lesen, so sehr bestürmten die SchülerInnen ihn mit ihren Fragen und Kommentaren. Viele der Jugendlichen äußerten ihre Überraschung, wie offen der Autor wäre. In der Nachbereitung wurde berichtet, dass die SchülerInnen noch Wochen später über die Lesung diskutierten. Gefördert wurde die Lesung im Rahmen von Werkproben vom Kultursekretariat Wuppertal.

An gleich zwei Essener Schulen las die Kinder- und Jugendbuchautorin Aygen-Sibel Çelik. An der Grundschule Ost warb die Autorin mit ihrem neuen Kinderbuch „Fußball, Gott und echte Freunde“ für Respekt und Toleranz gegenüber anderen Religionen. An der Gustav-Heinemann Gesamtschule diskutierten die SchülerInnen dann über ihren Jugendroman „Seidenhaar“, der Streitfragen rund um das Kopftuch thematisiert.

Der noch unbekannte, junge deutschsprachige Autor Alpan Sağsöz las in der Erich-Kästner Gesamtschule aus seinem Buch „Die schwarze Katze aus Konstantinopel“. Die autobiografisch gefärbte Erzählung des Jungen Ardem, der von seinen Kindheitserlebnissen traumatisiert ist, eignete sich besonders gut als Anregung für Jugendliche, von eigenen Erlebnissen und Ängsten zu berichten. Die Lesung ist auf der Internetseite der Schule umfangreich dokumentiert (www.ekg-essen.de)

Ergänzt wurde die Literatürk-Schulreihe durch das auch in diesem Jahr fortgesetzte mehrsprachiges Buchprojekt „Essener Jugendliche melden sich zu Wort“ für JungautorInnen aus dem Ruhrgebiet, das von Literatürk aktiv unterstützt wurde. Der neueste Band „Ruhrkulturen – Was ich dir aus meiner Welt erzählen möchte“ erschien kurz nach Ende des Festivals und wurde im Rahmen einer großen Präsentation im Anschluss des Festivals vor gut dreihundert Schülern, Eltern, Lehrern und Kommunalpolitikern vorgestellt.

Die Veranstalter hoffen auf eine Weiterführung des erfolgreichen Festivals in den kommenden Jahren. Förderer und Unterstützer sowie neue Kooperationspartner sind dabei herzlich willkommen.


Analyse 2009

Veranstaltungen insgesamt: 17
Besucher insgesamt: 1030

Autorenlesungen für Erwachsene: 8
aus Deutschland: 3
aus der Türkei: 5

Schullesung für Kinder und Jugendliche: 4
aus Deutschland: 4
aus der Türkei: 0

Autorenlesungen insgesamt 12
Belletristik: 10
Lyrik: 1
Kinder und Jugendliteratur: 1

Anzahl der deutschsprachigen Lesungen: 7
Anzahl der zweisprachigen Lesungen: 5

.Buchpräsentation am 10.11.des Buchprojekt: „Ruhrkulturen- was ich dir aus meiner Welt erzählen möchte“mit ca. 300 Besuchern; in Kooperation mit dem Geest-Verlag/Vechta, u.a.

Sonderveranstaltungen: wissenschaftlicher Vortrag, Lesetheater, Literatur und Film

Neu: Sparten und Formen übergreifende Themenreihen

Die Struktur des türkisch-deutschen Literaturfestivals Literatürk bestand im Jahr 2009 zur Hälfte aus Lesungen mit AutorInnen aus Deutschland und aus der Türkei., zu einem Viertel aus Lesungen mit AutorInnen aus Deutschland an unterschiedlichen Schulen und zu einem Viertel aus spartenübergreifenden Veranstaltungsformen. Hiervon waren dreiviertel deutschsprachig und einviertel deutsch- und türkischsprachig.

Im Spartenvergleich haben Belletristik-Lesungen zu Lyrik oder Kinder- und Jugendliteratur-Lesungen ein deutliches Übergewicht.

Dieses Schema entspricht in seinen Grundkonstanten in etwa auch den vorangegangen Jahren des Literaturfestivals Literatürk. Es hat sich in seinen Grundkonstanten bewährt und zahlreiches Stammpublikum über die Stadt Essen hinaus generiert. Darüber hinaus haben die in den Bereichen des Sonderprogramms zu verbuchenden Neuerungen für die Festival-Struktur einen zusätzlichen Gewinn an Zuschauern und Möglichkeiten der Repräsentation geschaffen. Hierzu gehört auch die Intensivierung der in diesem Jahr begonnenen Aufzeichnungen der Veranstaltungen zur Projektdokumentation und Gestaltung weiterer Projektmedien.


Essen, Januar 2010

Semra Uzun-Önder
Johannes Brackmann
Fatma Uzun
Martina Kofer

Programm 2009 -Vorderseiten
Programm2009-vorne_12seiten.pdf
PDF-Dokument [6.3 MB]
Programm 2009 - Rückseiten
Programm2009-hinten_12seiten.pdf
PDF-Dokument [2.3 MB]

Literatürk 2009: Die Autoren und Autorinnen

Feridun Zaimoğlu wurde 1964 im anatolischen Bolu geboren. Ein Jahr später kam er mit seinen Eltern nach Deutschland und lebt heute in Kiel. Zaimoğlu sorgte in den 90er Jahren mit seiner „Kanak-Sprak“-Trilogie für Diskussionsstoff. Neben einer Reihe von Prosawerken veröffentlichte er Artikel in verschiedenen Zeitungen und arbeitet als Theaterautor . Er erhielt zahlreiche Literaturpreise, darunter den Ingeborg-Bachmann Wettbewerbspreis der Jury und den Carl-Améry-Preis. Zaimoğlu gilt als einer der wichtigsten Autoren der deutschen Gegenwartsliteratur.

Selim Özdoğan
Der Kölner Autor Selim Özdoğan wurde 1971 geboren und ist zweisprachig aufgewachsen. Seit Mitte der Neunzigerjahre hat er zahlreiche Romane und Erzählbände veröffentlicht. Für den Film „Im Juli“ von Fatih Akın schrieb er das Drehbuch. Özdoğan erhielt für sein literarisches Schaffen unter anderem den Adalbert-von-Chamisso-Preis. Aktuell ist er mit seinem neuen Roman „Zwischen zwei Träumen“ auf Lesereise.

In Nestas Welt ist es möglich geworden, mithilfe von Augentropfen Träume zu konsumieren. In Traumbars hängt Nesta mit seinen Freunden ab und taucht mit ihnen in die Welt der fremden Träume ein. Dabei verliebt er sich in Tedeisha, die schon bald eine steile Karriere macht und ihre Träume erfolgreich vermarktet. Als Tedeisha eines Tages nicht mehr aufwacht, begibt sich Nesta auf die Suche nach dem Ursprung der Träume...

Kerim Pamuk
Kerim Pamuk wurde 1970 an der türkischen Schwarzmeerküste geboren und lebt seit 1979 in Hamburg, wo er Orientalistik und Germanistik studierte. Mit seinen Bühnenprogrammen "Pamuks Kümmel Klub" und "Leidkultur" tourt er durch Deutschland und tritt unter anderem im Quatsch Comedy Club auf. Er schreibt Bücher ("Sprich langsam, Türke"; "Alles roger, Hodscha?") und Drehbücher zu Kinospielfilmen ("Süperseks").

In seinem neuesten Buch "Allah verzeiht, der Hausmeister nicht" warnt Pamuk vorab Türken, die nach Deutschland kommen möchten. Mit viel Wortwitz nimmt er die Eigenarten der Deutschen aufs Korn.
Hintersinnig, witzig, intelligent: Mit orientalischer Gelassenheit blickt Kerim Pamuk auf Bier in der Badewanne, DIN-Normen, bunte Bio-Tonnen und kalendarische Brückentage. Kurz: auf alles, was "uns" Deutschen lieb und teuer ist.

Aygen-Sibel Çelik
Aygen-Sibel Çelik wurde 1969 in Istanbul/Türkei geboren und migrierte als Zweijährige mit ihren Eltern nach Frankfurt am Main. Wichtige Stationen ihrer Biografie sind ein sechsjähriger Aufenthalt in ihrer Geburtsstadt, das Studium der Kinder- und Jugendbuchforschung in Frankfurt sowie ein Redaktionsvolontariat und diverse Praktika im pädagogischen und journalistischen Bereich. Sie war mehrere Jahre als Redakteurin einer Fachzeitschrift tätig. Als freie Autorin verfasste sie zahlreiche Artikel und Rezensionen über die Darstellung des Fremden in der Kinder- und Jugendliteratur. Aygen-Sibel Çelik schreibt Kinder- und Jugendbücher und gibt Kindern Kurse in Kreativem Schreiben. 2007 erschienen das Kinderbuch "Sinan und Felix" und "Seidenhaar", ein Buch für Jugendliche über die fesselnde Geschichte um die beiden jungen Türkinnen Sinem und Canan, die sich über die Glaubensgrundsätze des Islam uneinig sind. Die Autorin lebt und arbeitet in Neu-Isenburg.

Bei Literatürk wird Aygen-Sibel Çelik für Kinder in einer Grundschule und für Jugendliche in einer Gesamtschule lesen.

„Fußball, Gott und echte Freunde“ ist das aktuelle Kinderbuch Aygen-Sibel Çeliks.
Da haben sich die Erwachsenen was Schönes ausgedacht: Die St. Josef Kicker sollen gegen den FC Shalom und die Yunus-Kicker antreten. Die drei Freunde Christopher, David und Kerim haben aber nicht die geringste Lust, gegeneinander zu spielen. Ihre Eltern steigern sich dennoch immer mehr in den Wettbewerb rein. Und dann kommt auch noch Gott ins Spiel...

In dem Jugendroman „Seidenhaar“ bekommen sich die beiden jungen Türkinnen Canan und Sinem in die Haare. Canan behauptet, sie würde aus Überzeugung ein Kopftuch tragen, Sinem kauft ihr das nicht ab. Als Canan am nächsten Tag verschwunden ist, macht sich Sinem Sorgen, dass sie sich radikalen Kreisen angeschlossen haben könnte. Auf der Suche nach Canan lernt sie den Islam jedoch von einer ganz anderen Seite kennen.

Aslı Erdoğan
1967 in Istanbul geboren, studierte Aslı Erdoğan Informatik und Physik an der Bosporus Universität in Istanbul. Anschließend arbeitete sie am Kernforschungszentrum CERN in Genf und in den Jahren 1994 und 1995 in Rio de Janeiro. 1996 gab sie ihre Karriere als Physikerin auf und konzentrierte sich aufs Schreiben. 1996 erschien ihr erster Roman "Mucizevi Mandarin" (Der wundersame Mandarin). Sie ist Mitglied im PEN und der türkischen Schriftstellervereinigung sowie Gründungsmitglied des Kunst und Literaturforums von Diyarbakir. Seit August 2008 ist sie Stipendiaten im Heinrich Böll Haus.

"Asli Erdogan ist Teilnehmerin an der vom Bundespräsidenten initiierten interkulturellen Gesprächsreihe "Vielfalt der Moderne - Ansichten der Moderne". Herausragende Persönlichkeiten aus unterschiedlichen Weltteilen, Kulturen und Religionen haben in den vergangenen Monaten in kleiner Runde in Schloss Bellevue über ihr Verständnis von Moderne, über deren Errungenschaften wie Fehlentwicklungen und die Folgen für das Leben der Menschen überall auf der Welt diskutiert.: Welchen Preis hat der Fortschritt? Wieviel Gemeinschaft braucht das Individuum? Wieviel Weisheit die Wissenschaft? Durch die aktuelle Diskussion über den Klimawandel und die Grenzen der ökologischen Tragfähigkeit unserer Erde und nicht zuletzt auch durch die Erfahrung der globalen Finanz- und Wirtschaftskrise haben diese Fragen eine neue Dringlichkeit erhalten. Sie rühren an das Selbstbild der westlichen Welt und an unser Verständnis von Modernität, das sich auf den Glauben an Vernunft und Fortschritt, auf wissenschaftliche Erkenntnis, auf Individualisierung, Emanzipation und Säkularisierung gründet.

Zu LiteraTürk kommt die Autorin mit "Die Stadt mit der roten Pelerine" (Kırmızı Pelerinli Kent) und "Der wundersame Mandarin" (Mucizevi Mandarin)

Ayfer Tunç wurde 1964 in Adapazarı geboren. Schon während ihres Politologie-Studiums in Istanbul verfasste sie Artikel für Literatur- und Kulturzeitschriften. 1999 bis 2004 war sie Chefredakteurin des Yapı-Kredi Verlages. Seit 1989 sind zahlreiche Prosabände von ihr erschienen. Ihr 2001 erschienener Roman „Bir Maniniz Yoksa Annemler Size Gelecek. 70’li Yıllarda Hayatımız“ erhielt 2003 den internationalen Balkania-Preis. 2008 war sie in dem vom Goethe Institut initiierten Projekt „Yakınbakış“ als Stadtschreiberin in Salzburg.

In „Suna und Emine“ wird die Geschichte des Waisenkindes Suna erzählt, das von dem brutalen und nichtsnutzigen Bolat geschwängert wird. Bolat wird von seinem Onkel genötigt, Suna zu heiraten. Im Laufe der Ehe wird Bolat immer unerträglicher, versäuft das Geld der Familie und schlägt Suna und ihre Kinder. Suna fügt sich schweigend ihrem Schicksal. Als Bolat wieder einmal ausrastet, verliert die älteste Tochter Emine die Beherrschung und geht auf ihren Vater los.

In ihrem Buch „Bir Deliler Evinin Yalan Yanlış Anlatılan Kısa Tarihi“ werden eine Reihe von ineinander verwobenen Geschichten konstruiert, die vom 19. Jahrhundert bis ins Jahr 2007 reichen. Jedes Mal, wenn der Leser denkt, eine Geschichte wäre zu Ende, knüpft eine neue genau an diese an und wird aus anderer Sichtweise und von anderen Charakteren erzählt. Schauplatz ist ein Krankenhaus für geistig Kranke am Schwarzen Meer.

Mehmet Murat Somer
Mehmet Murat Somer wurde 1959 in Ankara geboren und lebt heute am Handlungsort seiner Romane, in Istanbul. Der Autor arbeitete zunächst als Banker und Unternehmensberater. 2003 begann er damit, seine Hop-Çiki-Yaya Bücher zu schreiben; Krimis, die im Istanbuler Transvestitenmilieu spielen. Somer gelingt es, in seinen schrillen Geschichten Komik mit der Darstellung der oft bitteren Realität für Transsexuelle in der Türkei zu verbinden.
Die Heldin des Tunten-Krimis „Der Kuss-Mord“, Clubbesitzerin und Transvestitengröße, findet keine Ruhe: Die Wohnung der besten Freundin Buse wurde durchsucht. Objekt der Begierde sind offensichtlich die kompromittierenden Briefe eines ehemaligen Liebhabers. Als klar wird, dass in die Geschichte auch erzkonservative Politiker und die Mafia verwickelt sind, nehmen die beiden Damen die Verfolgung auf.

Zafer Şenocak wurde 1961 in Ankara geboren und siedelte 1970 mit seinen Eltern nach München über, wo er Germanistik, Politologie und Philosophie studierte. Heute lebt er in Berlin. Seit 1979 veröffentlicht er Gedichte, Prosa und Essays in deutscher und türkischer Sprache. Şenocak ist Mitbegründer der mehrsprachigen Literaturzeitschrift "Sirene" und schreibt regelmäßig für verschiedene Zeitungen. In seinen vieldiskutierten Essays analysiert er die Beziehung zwischen deutscher Mehrheitsgesellschaft und türkischer Minderheit.

Die Frage nach einer zeitgemäßen deutschen Identität ist heute aktueller denn je, wie die Hitzigkeit und Hilflosigkeit der Integrationsdebatten beweisen: Wir Deutschen haben keinen positiven Begriff davon, wer wir sind – und deshalb auch keine Vision für eine offene Gesellschaft, die sich nicht über die Abgrenzung des Fremden definiert. Der Schriftsteller und Essayist Zafer Şenocak erinnert uns mit seinem aktuellen Buch „Deutschsein: Eine Aufklärungsschrift“ daran, die universellen Werte der Aufklärung lebenspraktisch ernst zu nehmen. Statt weiterhin auf Ängsten und Vorurteilen zu beharren, wird man mit dem Mut, sich des eigenen Verstandes
zu bedienen, eine bessere Basis für das Zusammenleben finden.

„Ein verblüffendes Buch. Poetisch, grübelnd und doch hochpolitisch. Deutschsein ist ein Beitrag zur leidigen »Integrationsdebatte « – erstaunlicherweise in der Form einer Liebeserklärung. Hier will einer wissen, warum »ein attraktives Land sich hässlich macht. Selten hat ein Autor in jüngerer Zeit so warmherzig über die Deutschen geschrieben wie der Dichter Zafer Şenocak.“ (Jörg Lau, Die Zeit)

Prof. Jens Peter Laut
Prof. Dr. Jens Peter Laut ist Inhaber des Lehrstuhls für Turkologie und Zentralasienkunde an der Universität Göttingen und Mitherausgeber der Reihe "Türkische Bibliothek". Darüber hinaus ist er Vorstandsmitglied und Zweiter Vorsitzender der Deutschen Morgenländischen Gesellschaft sowie Mitherausgeber der "Zeitschrift der Deutschen Morgenländischen Gesellschaft". 

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