Krimis stehen im Mittelpunkt beim 8. «Literatürk»

Spannende Bücher, die auch die jeweils sozialen Hintergründe ausleuchten, wurden in den Mittelpunkt gestellt.

An sieben Tagen bot das Festival zwölf Veranstaltungen an.

Mit Ahmet Ümit und Emrah Serbes wurden zwei Literatur-Stars im Ruhrgebiet, die in ihrer Heimat Kultstatus genießen, vorgestellt. Ümit («Nacht und Nebel») hat Krimis in der Türkei hoffähig gemacht. Serbes Hauptfigur ist ein türkischer Schimanski («Verschütt gegangen»), der sich in Zeiten der Annäherung an die EU mit der Obrigkeit herumplagt.

Die deutsche Literatur präsentierten die in Duisburg geborene Ursula Sternberg («Innenhafen»), der Berliner Christian v. Ditfurth («Tod in Kreuzberg») und Wolfgang Schorlau (Deutscher Krimipreis 2006, «Das München-Komplott»).

Neben der Literatur bot das Festival auch weitere Sparten an. So zeigte der türkische Filmemacher Can Dündar am 1. Oktober zum Auftakt seinen Film über Deniz Gezmis, der Symbolfigur der türkischen 68er-Bewegung. Der Held der türkischen Linken wurde 1971 zum Tode verurteilt und starb 1972 durch den Strang.

Mario Levi stellete seinen Roman "Wo wart ihr, als die Finsternis hereinbrach" vor und schilderte das Leben der Menschen in der Metropole am Bosporus aus der Sicht eines alteingesessenen Juden. 

Oya Baydar und Melek Ulagay erzählten, im Gespräch mit Osman Okkan, von dem Leben zweier starker und widerständiger Frauen, die sich nicht damit zufrieden geben, einfach mitzulaufen und politische Entwicklungen als gegeben hinzunehmen und stellten ihr gemeinsames Buch "Erzählen, um zu verstehen" vor.

Unter der Regie von Christian Scholze inszenierte dieTheatergruppe des Pudels Kern, der Universität Duisburg Essen,  die Lesung des Kriminalromans Nacht und Nebel von Ahmet Ümit .

Im Bahnhof Langendreer fand ein langer Abend mit Lesung, Film + Konzert statt.  Es traten die Bands "Compania Bataclan" und die Gruppe "Bandista" auf.

In ihren Texten plädieren die Bands für eine gerechte Weltwirtschaftsordnung, Vielfalt der Kulturen und politische Teilhabe sowie einen lebendigen Internationalismus, aber auch gegen Unterdrückung, Sexismus, Rassismus und Ausbeutung.

Die Dichter Gerrit Wustmann und Lütfiye Güzel präsentierten einen kreativ-lyrischen Clash Of Cultures, von den Ufern des Bosporus und den Gassen von Beyoglu nach Duisburg-Hamborn.

Mit Jannis Plastargias, "Plattenbaugefühle", Alpan Sagsöz"Türkei-Rallye", Lütfiye Güzel „Herz-Terroristin“ und Aygen-Sibel Çelik "Alle gegen Esra" fanden auch im 8. Jahr Literatürk Lesungen an den Partenrschulen des Festivals statt.
(ErichKästner Gesamtschule, GustavHeinemann Gesamtschule, Gymnasium Nordost
Grundschule Hinsbeckschule)

Und schließlich, nach ausverkauften Veranstaltungen, spannenden Lesungen, ispirierenden Diskussionen, gemeinsam gesungenen Protestlieder und der Freude über zufriedene Gäste machte sich das Team an die Arbeit von Literatürk 2013....

Programmfolder Literatürk 2012 zum download
Literatürk2012-Folderfinal.pdf
PDF-Dokument [2.0 MB]

Autorinnen und Autoren 2012

Can Dündar

1961 in Ankara geboren, ist einer der renommiertesten Journalisten der Türkei, Autor und Filmemacher. Er absolvierte die „London School of Journalism“, promovierte im Fach Politik und arbeitete anschließend unter anderem als Fernsehjournalist und Dokumentarfilmer. Er schreibt für die Tageszeitung Milliyet, eine der auflagenstärksten Zeitungen der Türkei. Er fördert und dreht sozial- und gesellschaftskritische Dokumentarfilme und hat zahlreiche Bücher veröffentlicht.

(Moderation Murad Bayraktar)

Christian von Ditfurth

ist studierter Historiker und lebt als freier Autor und Lektor in Berlin.

(Moderiert von Ariane Raspe)

Lütfiye Güzel und Gerrit Wustmann

Lütfiye Güzel wurde in Duisburg geboren, lebt dort und dichtet auf den Spuren des rotzigen Social Beat über das Grauingrau deutscher Alltagsrealität im Ruhrpott, spannt dabei zugleich west-östliche Lyrikfäden und besticht mit tiefschwarzem Humor und abgeklärtem Zynismus. 2012 erschien ihr Debüt „herzterroristin“ und wenig später ihr zweites Buch mit dem hintersinnigen Titel „Let’s go Güzel!“

 

Der Kölner Lyriker Gerrit Wustmann, 2012 mit dem postpoetry.NRW-Preis ausgezeichnet, legt mit „Istanbul Bootleg“ den zweiten Band seines deutsch-türkischen Lyrikzyklus vor. „Istanbul Bootleg“ ist ein lyrischer Trip durch die Millionenstadt am Bosporus, eine Liebeserklärung, die auch die dunklen Seiten nicht auslässt; eine Spurensuche, die in der jahrhundertealten Geschichte den Stimmen der Dichter und den leisen Zwischentönen des Alltäglichen lauscht.

Wolfgang Schorlau

lebt und arbeitet als freier Autor in Stuttgart. 2006 wurde er mit dem Deutschen Krimipreis ausgezeichnet. 2008 war Wolfgang Schorlau Für das türkisch-deutsche Stadtschreiberprojekt Yakın Bakış Stadtschreiber in Trabzon am Schwarzen Meer.

(Moderiert von Ariane Raspe)

Oya Baydar, Melek Ulagay

Baydar ist 1940 in Istanbul geboren. Die Soziologin, Schriftstellerin und Journalistin engagierte sie sich früh in der politischen Linken. 2001 gründete sie den Turkey Peace Attempt, dessen Sprecherin sie nach wie vor ist.

 

Ulagay ist 1946 in Istanbul geboren Sie  ist Journalistin und Dokumentarfilmemacherin und Mitinhaberin einer Produktionsfirma für Dokumentarfilme.

(Moderiert von Osman Okkan, Übersetzt von Sabine Adatepe)

Emrah Serbes

Emrah Serbes, 1981 in Yalova geboren, studierte Theaterwissenschaften in Ankara und schrieb Kritiken für das türkische Feuilleton. Sein erster Roman Behzat Ç. »jede berührung hinterlässt eine spur« erschien 2006, der zweite Behzat Ç. »verschütt gegangen« folgte 2008 mit großem Erfolg.

(Moderiert von Oliver Kontny)

Mario Levi

Mario Levi wurde 1957 als Sohn jüdischer Eltern in Istanbul geboren. Er u.a. auch als Französischlehrer, Unternehmer, Journalist, Rundfunkredakteur und Werbetexter. Er hält Vorlesungen an der Yeditepe Universität an der Fakultät für Kommunikationswissenschaften und unterrichtet kreatives Schreiben.

(Moderiert von Oliver Kontny)

Ursula Sternberg

Ursula Sternberg wurde 1958 in Duisburg geboren  An ihrem erstes Buch „Variationen der Wahrheit“ arbeitete sie, mit einigen Unterbrechungen, fünf Jahre und schrieb im Anschluß direkt ihr zweites Buch „Ruhrschnellweg“. Beide Titel erschienen 2007 im Assoverlag Oberhausen. Zusammen mit vier weiteren Krimiautoren des Syndikats-Krimistammtisch Ruhr wurde sie im Rahmen der „Charme Offensive Ruhr“ zur Botschafterin des Ruhrgebiets ernannt.

Ahmet Ümit

Ahmet Ümit wurde 1960 in Gaziantep, im Süden der Türkei, geboren. Von 1989 bis 1998 arbeitete er in einer Werbeagentur und war als kultureller Berater in der Goethe Foundation in Istanbul tätig. Ahmet Ümit gilt als Autor, der für die Türkei den Kriminalroman literaturfähig gemacht hat. Viele seiner Erzählungen wurden verfilmt. Neben Romanen, Gedichten, zahlreichen Kurzgeschichten und einem Märchen schrieb er auch Essays über u.a. Kafka, Dostojewski, Highsmith und Poe.

(Moderiert von Sabine Adatepe)

Jannis Plastargias

Jannis Plastargias, 1975 in Kehl am Rhein geboren, Sohn griechischer Gastarbeiter. Nach dem Studium Lehramt Grund- und Hauptschule folgte ein Ergänzungsstudiengang Diplom-Pädagogik mit Schwerpunkt Interkultureller Erziehung. Aufbaustudiengang Buch- und Medienpraxis an der Goethe-Universität Frankfurt am Main mit den Schwer-punkten Kulturredaktion in Rundfunk, Zeitung und Fernsehen, sowie Literaturkritik, Lektorat, PR und Öffentlichkeitsarbeit im Verlagswesen.

Aygen-Sibel Çelik

 Aygen-Sibel Çelik wurde 1969 in Istanbul geboren. Nach dem Studium der Kinder- und Jugendbuchforschung in Frankfurt war sie mehrere Jahre als Redakteurin einer
Fachzeitschrift tätig. Als freie Autorin verfasste Aygen-Sibel Çelik zahlreiche
Artikel und Rezensionen über die Darstellung des Fremden in der Kinder- und
Jugendliteratur. Sie schreibt selbst Kinder- und Jugendbücher und gibt Kindern Kurse in kreativem Schreiben

Alpan Sagsöz

Alpan Sagsöz (1973) lebt in Köln ist Romanautor und Rechtsanwalt. Er schreibt seit 2007, insbesondere Geschichten mit interkulturellem Hintergrund. Sein Erstlingsroman erschien 2009 mit Die schwarze Katze von Konstantinopel. Eine weitere Veröffentlichung folgte mit dem Jugendroman Türkei-Ralley (2012).

Weitere Künstler

Studentische Theatergruppe des Pudels Kern

"Des Pudels Kern", das Theater der Uni Essen, widmet sich seit 10 Jahren der deutschsprachigen Theaterliteratur. Kein Autor, den die Studierenden scheuen, unter die Lupe, bzw. in ihre Phantasie zu nehmen. Dem Publikum werden in anspruchsvoller und eigenwilliger Weise und mit unvergleichlicher Leidenschaft Produktionen präsentiert, die mit einfachen Mitteln die literarischen Vorlagen interpretieren. Der Bogen reicht von Goethes "Faust" über Büchners "Dantons Tod" und Kleists "Penthesilea" bis hinein in die Gegenwartsdramatik von Dea Loher und Elfriede Jelinek.

Christian Scholze

Aufgewachsen in Sprockhövel, Studium der Anglistik und Germanistik an den Universitäten Würzburg und Trier, Abschluss Magister im Fach Anglistik.

Seit 1995 zahlreiche Regiearbeiten u.a. mit Produktionen von Brecht, Shakespeare, Sophokles, Zaimoglu, Kleist, Büchner, Dostojewskij usw.
Seit 2003 Lehrbeauftragter der Germanistik an der Universität Duisburg-Essen, Campus Essen, Leiter des Universitätstheaters.
Seit 2005 Dramaturg des Abendtheaters und Regisseur am Westfälischen Landestheater Castrop-Rauxel. 2009 – 2012 Initiierung und Durchführung des AutorInnen-Wettbewerbs „IN ZUKUNFT“ für AutorInnen mit Zuwanderungsgeschichte.
Künstlerische Schwerpunkte in den Bereichen Klassiker, Romanadaptionen und Interkultur.


Bandista Mestizo-Kollektiv vom Bosperus

Hinter dem unvergesslichen Namen Bandista verbirgt sich ein 2006 gegründetes 8-köpfiges Kollektiv aus Istanbul, deren MusikerInnen sich gleichwohl auch als politische AktivistInnen verstehen. In ihren Texten plädieren sie für eine gerechte Weltwirtschaftsordnung, Vielfalt der Kulturen und politische Teilhabe sowie einen lebendigen Internationalismus, aber auch gegen Unterdrückung, Sexismus, Rassismus und Ausbeutung.
Ihre Musik ist wie ein Laboratorium, indem verschiedene Stile  arrangiert werden::
Reggae, Dub, Ska, Balkan, Roma-, Klezmer- und Afrobeats,  immer unterlegt mit traditionellen anatolischen Klängen. Die Band sieht ihre Wurzeln in eben dieser kulturellen Vielfalt, betont aber dennoch ihre internationalistische Haltung. Nicht von ungefähr bezeichnen sie Boikot(Esp.), Ma Valise(F.), Fermin Muguruza (Euskadi) oder Compania Bataclan (BRD.)als ihre Schwesterbands.

Compania Bataclan

Das Programm der COMPANIA präsentiert einen Stil-Mix mit zumeist eigenen Texten. Diese besingen „Schuhe auf den Straßen des Glücks“, dann einen alten Bekannten, der sich immer „köstlich amüsiert“, jedoch nicht in Pankow, sondern in Heiligendamm beim G-8-Gipfel. Darüber hinaus interpretieren sie einen Brecht-Eisler-Song als französischen Musette-Walzer und beleuchten die schauerlichen Seiten altdeutschen Märchenguts aus psycho-analytischer Sicht. Das Land der Barden und Druiden wird mit einer „Suite Celtique“ zelebriert, und an den europäischen Osten erinnert der „Klezmer Freilachs“, erweitert um eine bekannte jiddische Weise von Jtschak Katsenelson. Neben der musikalischen Vielfalt überrascht die COMPANIA auf der Bühne auch mit Tanzeinlagen und politischem Kabarett.

COMPANIA BATACLAN ist eine 7-köpfige Band aus Bochum/Witten/Dortmund/Fröndenberg/Wuppertal.
Musikalischer Abwechslungsreichtum verbindet sich mit politischem Anspruch. Texte aus eigener Feder oder von Brecht/Weill werden mit unterschiedlichen Stilen unterlegt. Heraus kommt ein spannender Soundclash; ob Balkan-Klezmer, Französische Musette, Reggae oder Ska - COMPANIA BATACLAN tanzt auf vielen musikalischen "Hochzeiten" - frei nach dem Motto der amerikanischen Anarchistin Emma Goldman "Wenn ich nicht tanzen kann, ist es nicht meine Revolution."


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